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Niere

Die Niere (lat. ren, griech. nephros) ist auch bei Hund und Katze ein paarig angelegtes Organ.

Als wichtige Ausscheidungsorgane dienen die beiden Nieren der fein geregelten Bildung von Harn. Damit verbunden ist die Kontrolle von Wasser- und Elektrolythaushalt sowie anderer gelöster Stoffe, die ausscheidungspflichtig sind. Darüber hinaus spielt die Niere eine wichtige Rolle im Säure-Basen-Haushalt des Körpers. Auf diesem Weg reguliert die Niere maßgeblich die Zusammensetzung der extrazellulären Körperflüssigkeit.

Außerdem ist sie in verschiedene hormonelle Regelkreise des Körpers eingebunden.

Anatomie und Funktion

Anatomie und Funktion

Die Nieren nehmen als multifunktionelle Regulationsorgane eine zentrale Stellung im Gesamtkreislaufgeschehen eines Organismus ein. Sie gehören zu den sogenannten "vitalen Organen", ohne die ein Tier/Mensch nicht leben kann.

 

Anatomie

Die Nieren von Hund und Katze gehören zum glatten und einwarzigen Typ Niere, d.h. es ist äußerlich keine weitere Unterteilung in Lappen erkennbar und alle Ausführungsgänge (Ductus papillares) münden an einer kegelförmigen Warze (Papilla renalis).

An einem Längsschnitt  lässt sich ein schmaler äußerer Bereich, die rötlich-braune Nierenrinde (Cortex renis) mit einer Breite von ca. 2-5 mm erkennen. Nach innen folgt ein zentraler Bereich, das Nierenmark (Medulla renis). Aufgrund des Verlaufs der Blutgefäße im Nierengewebe wird das Mark mehr oder weniger deutlich in einzelne Markpyramiden gegliedert, deren Basis jeweils nach außen, zur Rinde gerichtet ist.

Im Rindengewebe sind etwa rund 300.000 bis 500.000 Nierenkörperchen mit einem Durchmesser von 110-150 µm enthalten, die zusammen mit den harnbereitenden Kanälchen (Tubuli) für die Harnbildung verantwortlich sind. Die funktionelle Einheit aus Nierenkörperchen und harnbereitenden Kanälchen heißt Nephron. Ein großer Teil des Tubulus-Apparates liegt im Nierenmark. Am Ende der Kanälchen wird der Harn in die leitenden Sammelrohre überführt und gelangt so über die Mündungen an der Nierenpapille in das Nierenbecken.

Funktion

Die Niere...

  • reguliert den Wasserhaushalt des Körpers.
  • reguliert langfristig den Blutdruck.
  • scheidet harnpflichtige Substanzen (z.B. Harnsäure, Harnstoff, Kreatinin) und giftige Substanzen (z.B. Medikamente) aus.
  • reguliert den Säure-Basen-Haushalt des Körpers.
  • reguliert den Gehalt an im Blut gelösten Elektrolyten: Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphat, Bicarbonat.
  • bildet Hormone: Renin (Enzym, kurzfristige Blutdruckregulation), Erythropoetin (Stimulation der Blutbildung), Calcitriol (Vitamin D, beteiligt am Calcium-Stoffwechsel).

Lage

Lage der Nieren

Die Nieren liegen extrathorakal und dorsal in der Bauchhöhle, direkt unter der inneren Lendenmuskulatur. Medial grenzt die rechte Niere an die hintere Hohlvene (Vena cava caudalis), mit ihrem kranialen Pol stößt sie an den Processus papillaris der Leber, hinterlässt dort jedoch keinen Eindruck (Impressio renalis). Die linke Niere liegt medial unmittelbar an der Bauchaorta (Aorta abdominalis). Von den beiden großen Bauchgefäßen zieht jeweils eine Arteria bzw. Vena renalis zum Hilus und verzweigt sich im Inneren des Organs.

Beide Nieren sind je nach Ernährungszustand gut tastbar. Die Fettgewebskapsel um die Nieren ist im Umfang ernährungsabhängig. Dabei kann es passieren, dass bei starkem Abbau des Fettgewebes besonders die linke Niere weiter absinkt und das Bauchfell dabei wie zu einem Gekröse in die Länge zieht. Dies kann beispielsweise im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung vorkommen.

Das Nierengewebe ist umgeben von einer bindegewebigen Faserkapsel (Capsula fibrosa). Diese ist relativ leicht abziehbar. Nur an den Durchtrittsstellen der Kapselvenen ist sie etwas fester angeheftet.

Kommen zusätzliche punktuelle oder flächenhafte Verwachsungen vor, so ist dies ein Hinweis auf frühere Niereninfarkte, die bereits vernarbt sind. Im Vergleich zum Hund ist die Bindegewebskapsel bei der Katze zwar deutlich zarter, sie zeigt aber dennoch nur eine begrenzte Dehnbarkeit. Dies führt dazu, dass bei einer Nierenschwellung der Binnendruck entsprechend erhöht wird.

Die Organkapsel stülpt sich am Hilus in die Einbuchtung des Nierengewebes ein und bildet die bindegewebige Unterlage für das Nierenbecken.

Gefäßsystem

Gefäßsystem der Niere

Die Ernährung der Niere erfolgt über das funktionelle Blutgefäßsystem. Es strömen etwa 20 % des Herzminutenvolumens durch die Nieren. Dies stellt eine ganz erhebliche Menge dar, die es der Niere erlaubt, rasch auf Änderungen im extrazullulären Milieu zu antworten und dadurch schnell regulierend einzugreifen. Innerhalb der Niere ist die Blutverteilung jedoch höchst unterschiedlich: während die Nierenrinde von rund 75 % der genannten Blutmenge durchströmt wird, sind es im rindennahen Bereich des Marks nur mehr rund 20 %. Lediglich 5 % erreichen die tiefen Anteile des Nierenmarks, obwohl diese etwa 25 % der Nierenmasse ausmachen. Das bedeutet, dass die Nierenrinde vorwiegend aeroben Stoffwechsel betreibt, das Nierenmark hingegen überwiegend anaeroben. Aus diesem Grund reagieren bei einer Störung der Sauerstoffversorgung die Zellen im Nierenmark deutlich empfindlicher.

Anatomische Details:

Die Nierenarterien entspringen aus der Aorta abdominalis und verlaufen auf kürzestem Weg zum Nierenhilus. Unmittelbar vor dem Eintritt verzweigt sich die Nierenarterie in mehrere Äste, die Arteriae interlobares. Diese liegen in den Ausbuchtungen des Nierenbeckens. Sie verlaufen in die Tiefe der Niere und gehen an der Grenze zwischen Nierenmark und -rinde in mehrere bogenförmige Arterien über, die Arteriae arcuatae. Diese geben ihrerseits die Arteriae interlobulares ab, die strahlenförmig in der Nierenrinde nach außen verlaufen und zahlreiche Vasa afferentia abgeben, die zu den Nierenkörperchen ziehen und dort die Glomerula bilden. Die Vasa efferentia der marknahen Glomerula beteiligen sich an der Versorgung des Nierenmarks, die weiter außen gelegenen Arteriolen geben ihr Blut in das Kapillarnetz der Nierenrinde ab, das den Tubulus-Apparat versorgt.

Der venöse Abfluss erfolgt über die Venulen, die zu Venae interlobulares (in der Nierenrinde), Venae arcuatae (an der Grenze zwischen Nierenrinde und -mark) und schließlich zu Venae interlobares zusammenfließen. Der weitere Abfluss erfolgt über die Vena renalis, die am Nierenhilus aus der Niere austritt, in die Vena cava caudalis. Am Nierenhilus münden die oberflächlichen venösen Kapselgefäße (Venae capsulares) in die Vena renalis.

Die einzelnen venösen Abschnitte stehen über zahlreiche Verbindung miteinander in Kontakt, während die Arterien Endarterien darstellen. Das bedeutet, dass Blutgerinsel im arteriellen Blutfluss mit den immer kleineren Durchmessern der Gefäße stecken bleiben und deswegen in der Niere Infarkte gehäuft vorkommen.

Funktionelle Details:

Ein entscheidender Punkt der Blutgefäßversorgung des Glomerulums ist der Umstand, dass sowohl das zuführende als auch das abführende Gefäß arterieller Natur ist. Das bedeutet, dass über die Kontraktion der glatten Muskulatur in der Gefäßwand der Filtrationsdruck im Glomerulum reguliert werden kann. Dies ist notwendig, weil der Arbeitsdruck im Glomerulum innerhalb vergleichsweise enger Grenzen gehalten werden muss. Wenn beispielsweise der Blutdruck im großen Kreislauf und damit auch in den Nierenarterien zu sehr ansteigt (bis zu 200 mm Hg beim Menschen), können die afferenten Gefäße den Zufluss des Blutes zum Glomerulum drosseln und so dessen Beschädigung verhindern. Im umgekehrten Fall - bei Abfall des Blutdruckes - können die efferenten Gefäße den Druck im Glomerulum erhöhen, indem sie sich kontrahieren und dadurch das Blut "zurückstauen". Bei einem Abfall unter einen kritischen Blutdruckwert funktioniert diese so genannte Autoregulation nicht mehr (unter 70 mm Hg bei der Katze).

Nephron

Aufbau und Funktion des Nephrons

Aufbau

Das Nephron beginnt mit dem Nierenkörperchen (Corpusculum renis), das aus einem arteriellen Gefäßknäuel (Glomerulum) und einer doppelwandigen Kapsel (Bowman Kapsel) besteht. Am Gefäßpol tritt das Vas afferens in das Nierenkörperchen ein und verzweigt sich in dünne Gefäßschlingen, die sich wieder zu einem größeren Gefäß verbinden, dem Vas efferens. Im Glomerulum wird der Primärharn durch Ultrafiltration aus dem Blutplasma gewonnen.

Die Blutseite des Filters wird durch ein fenestriertes Endothel2 mit einer Porengröße von 50-100 nm3 gebildet. Auf diese Weise werden die roten Blutkörperchen und andere Zellen daran gehindert, die Blutbahn zu verlassen. Darunter liegt eine Basalmembran, die vereinfacht gesprochen wie ein kollagenfaseriges Vlies organisiert ist und die größere Proteine effizient im Blutgefäß zurückhält.

Das Innenblatt der Bowmanschen Kapsel, das mit seinen Epithelzellen (Podozyten) direkt auf der Basalmembran liegt, bildet einen sehr engmaschigen Filter, da die feinen Fußfortsätze der Podozyten Schlitze mit einer Porengröße von ca. 5 nm.

Im ihrem weiteren Verlauf unterscheiden sich Nephrone, die sich weiter außen in der Rinde befinden von solchen, die nahe an der Grenze zum Nierenmark liegen. Letztere weisen im Anschluss an den proximalen Tubulus eine deutlich ausgebildete Henlesche Schleife auf, die tief in das Nierenmark verläuft. Diese Art der Nephrone kann den Harn besonders gut konzentrieren. Speziell bei der Katze sind diese Nephrone besonders lange und damit vermutlich dafür verantwortlich, dass die Katze außerordentlich gut konzentrierten Harn ausscheiden kann (spezifisches Gewicht des Harns: bis zu 1,080).

Die Konzentration des Harns in der Henleschen Schleife erfolgt auf passivem Weg, da das umgebende Gewebe eine hohe Osmolarität5 aufweist. Aus diesem Grund sind die Zellen hier relativ flach, der Tubulus insgesamt dünn.

Funktion

Wegen des komplexen Filters der Bowmanschen Kapsel können letztlich nur Stoffe in größerer Menge in den Primärharn übertreten, die wasserlöslich, klein (höchstens 5 kDalton) und nicht an Protein gebunden sind.

Der Primärharn [strong] ist damit noch isoton, da Wasser und gelöste Stoffe im gleichen Verhältnis wie im Blut erscheinen. Das bedeutet aber, dass eine große Menge an Wasser und beispielsweise Mineralstoffen, Glucose und Aminosäuren verloren gehen würde, wenn nicht im anschließenden Tubulus-System der Harn konzentriert und die für den Körper wichtigen Stoffe wieder rückresorbiert werden. Beispielsweise produziert ein Hund mit etwa 20 kg Körpermasse rund 60 L Primärharn, der dann auf ca. 1 L reduziert wird.

Am Harnpol der Bowman-Kapsel wird der Primärharn in das Tubulus-System abgeleitet. Dieses besteht aus dem proximalen Tubulus, der Henleschen Schleife und dem distalen Tubulus .

Proximaler Tubulus:

Im proximalen Tubulus des Nephrons werden die meisten lebenswichtigen Stoffe wie beispielsweise Wasser, Natrium, Kalium, Calcium, Phosphat, Glucose und Aminosäuren weitgehend rückresorbiert. Da dies meist aktive Vorgänge sind, die Energie und Sauerstoff benötigen, sind hier Zellen mit einem Bürstensaum (erhöhte Resorption) und zahlreichen Mitochondrien (erhöhter Energiebedarf) vorhanden. Dadurch haben diese Zellen eine größere Höhe und der Tubulus ist deswegen dicker als in der Henleschen Schleife.

Aktive Vorgänge wie im proximalen Tubulus können nur bedingt gesteigert werden in ihrer Geschwindigkeit. Daher kann bei Diabetes mellitus (Insulinmangel) mit stark erhöhter Blutglucose nicht die gesamte Menge an Glucose aus dem Primärharn rückresorbiert werden. Dies hat massive Auswirkungen auf die Konzentrierungsfähigkeit der nachfolgenden Tubulussystems, da die Glucose einen osmotischen Druck in das Kanälchen hinein erzeugt. Bei der Katze erscheint ab einem Blutglucosespiegel von über 300 mg/dl Glucose im Urin.

Distaler Tubulus:

Im distalen Tubulus und im Sammelrohr erfolgt die Feineinstellung des Endharns beispielsweise im Hinblick auf die Kalium-Konzentration. Da diese Vorgänge erneut energieabhängig (Mitochondrien!) sind, ist hier wieder ein hohes Epithel und damit ein dicker Tubulus vorhanden. Der distale Tubulus bildet den sogenannten juxtaglomerulären Apparat . Diese Einrichtung liegt direkt am Nierenkörperchen. Daran beteiligt sind etwas vereinfacht:

  • spezielle Zellen des Tubulus (Macula densa),
  • eng benachbarte Teile des Vas afferens bzw. efferens des gleichen Nephrons (Epitheloide Zellen, Polkissen)

Die Macula densa-Zellen arbeiten als Rezeptoren und "messen" die Natriumkonzentration im distalen Tubulus. Sie stehen mit den epitheloiden Zellen der Wand des Vas afferens in Verbindung, die in ihrem Zytoplasma das Enyzm Renin gespeichert haben. Die Freisetzung dieses Enzyms setzt das Renin-Angiotensin-System in Gang.

Neben der Rückresorption von körperwichtigen können bestimmte Stoffe im Tubulus auch aktiv abgegeben werden. Aufgrund dieser Sekretion werden manche Stoffe bereits bei einer einmaligen Nierenpassage fast vollständig ausgeschieden.

Harnproduktion

Die Harnproduktion beginnt in den Glomeruli, den Nierenkörperchen, die im Nierenmark angesiedelt sind. Diese Phase wird auch als "Glomeruläre Filtration" bezeichnet:

Eine Blut zuführende kleine Arterie spaltet sich in ein Knäuel von Kapillaren auf und vereinigt sich wieder in ein Blut abführendes Gefäß. In den eng liegenden Kapillaren staut sich das Blut. Durch den erhöhten Stauungsdruck werden Wasser, Glucose, Harnstoff und Elektrolyte aus dem Kapillarnetz herausgepresst. Dabei wirken die Wände der Kapillaren wie ein Sieb, das nur kleine Partikel durchlässt, größere Moleküle, wie große Proteine und Blutzellen jedoch zurückhält.

Die in diesem Bereich aus dem Blut filtrierte Flüssigkeit wird als "Primärharn" bezeichnet. Er enthält außer den Stoffen, die ausgeschieden werden müssen, auch viele Stoffe, die der Organismus noch braucht und die nachfolgend wieder in das Blut zurücktransportiert werden müssen. Die gesunde Niere kann durch Freisetzung spezieller Botenstoffe sowohl auf den Gesamtblutdruck als auch auf den Blutdruck im Glomerulum regulierend einwirken und dadurch den Blutfluss im Glomerulum konstant halten.

Der Primärharn wird aufgefangen von einer doppelwandigen Membran, der Bowmanschen Kapsel , die das kugelige Kapillarknäuel umgibt. Von dort gelangt er in den Tubulusapparat und wird über die Tubuläre Rückresorption und Sekretion zum Endharn konzentriert.

Der Hauptanteil des Primärharns wird durch das Tubulussystem dem Körper wieder zugeführt. Der verbleibende Endharn gelangt über Sammelrohre in das Nierenbecken und von dort über den Harnleiter in die Harnblase.

Glomeruläre Filtrationsrate:

Die Flüssigkeitsmenge, die im Bereich der Nierenkörperchen in einer bestimmten Zeit produziert wird, wird als "Glomeruläre Filtrationsrate" "GFR" bezeichnet. Sie ist ein wichtiger Parameter für die Abschätzung der Nierenfunktion. Sie wird in der Einheit ml pro Minute angegeben. Der Primärharn wird nun aus dem Bereich der Bowmanschen Kapsel weitergeleitet in ein Röhrensystem, den so genannten "Tubulusapparat ". Hier finden die "Tubuläre Rückresorption" und die "Tubuläre Sekretion" statt.

Tubuläre Rückresorption:

In dieser Phase werden für den Organismus wertvolle Stoffe wie Aminosäuren, Vitamine, Glucose und 75 % des Wassers aus dem Primärharn wieder in das Blut zurückgewonnen. Das Ausmaß der Rückgewinnung passt sich den jeweiligen Bedürfnissen des Körpers an, um sein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Beeinflussende Faktoren sind zum Beispiel Energieverbrauch, Trinkwassermenge, Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen / Hecheln oder Durchfall. Einige dieser Substanzen, wie zum Beispiel Glucose, werden in dieser Phase vollständig aus dem Primärharn in das Blut zurücktransportiert.

Ausnahme: Bei Überschreitung einer Maximalkonzentration von Glucose im Blut (Hyperglykämie bei Diabetes mellitus), kann keine vollständige Rückgewinnung mehr erfolgen. Glucose wird dann im Urin ausgeschieden (Glucosurie).

Tubuläre Sekretion:

Wasserstoffionen, Ammoniak, Säuren, Basen, Arzneistoffe werden in diesem Teil des Tubulussystems aktiv in den Urin ausgeschieden. Das Filtrat am Ausgang des Tubulusapparates ist der "Endharn".

Ausscheidungspflichtige Substanzen durchlaufen dieses "Filtersystem" von Substanz zu Substanz unterschiedlich.

Die Differenz der Konzentration einer Substanz im Blut zur Konzentration im Endharn wird auch als "Clearance" bezeichnet.

Der Hauptanteil des Primärharns wird durch das Tubulussystem dem Körper wieder zugeführt. Der verbleibende Endharn gelangt über Sammelrohre in das Nierenbecken und von dort über den Harnleiter in die Harnblase.

Ein Hund mit einem Körpergewicht von 20 kg produziert pro Tag etwa 60 L Primärharn. Davon scheidet er dann ca.1 L als Endharn aus.

Funktionseinheit Nephron:

Nierenkörperchen und Tubulusapparat bilden zusammen die Funktionseinheit "Nephron". Hunde haben pro Niere bis zu 500.000 Nephrone.

Funktionsstörungen in diesem komplizierten Filtersystem führen zum einen zum Verlust lebenswichtiger Stoffe wie Proteine, Glucose und Elektrolyte und zum anderen zur Anreicherung von Giftstoffen im Organismus wie zum Beispiel Harnstoff. Viele Arzneistoffe werden auch über die Niere ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss dies berücksichtigt und die Dosierung entsprechend angepasst werden.

Aufgaben der Niere Summary:

  • Eliminierung giftiger Stoffwechselprodukte
  • Eliminierung von Fremdstoffen (Arzneimittel)
  • Regulation des Wasserhaushaltes
  • Regulation des Säure-Basengleichgewichtes
  • Regulation des Elektrolyt- und Mineralhaushaltes (Calcium, Phosphat, Kalium, Natrium)
  • Stimulation der Blutbildung
  • Regulation des Blutdruckes

Hormonproduktion

Die Nieren produzieren nicht nur Urin, sondern auch Hormone, mit denen sie regulierend auf verschiedene Stoffwechselprozesse einwirken können:

  • Erythropoetin: stimuliert das Knochenmark zur Produktion von Erythrozyten
  • Calcitriol: reguliert den Calcium -/Phosphat-Haushalt (Vitamin D3 ist die inaktive Vorstufe von Calcitriol. Durch Einfluss der Nieren wird Vitamin D3 zu Calcitriol aktiviert). Renin: reguliert den Blutdruck und die Wasserausscheidung
  • Renin: reguliert den Blutdruck und die Wasserausscheidung
Allgemeines zu Nierenerkrankungen

Allgemeines zu Nierenerkrankungen

Einerseits haben Nierenerkrankungen weit reichende, schnell lebensbedrohliche Folgen, andererseits können aber auch andere Grunderkrankungen, zum Beispiel Leishmaniose oder eine schwere Herzinsuffizienz, zu einem Nierenversagen führen.

Nierenerkrankungen im Anfangsstadium bleiben häufig unerkannt und damit Chancen ungenutzt, durch frühzeitige Maßnahmen (zum Beispiel Umstellung auf Diätnahrung) ein Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Chronische Niereninsuffizienz ist eine Erkrankung, die bei älteren Hunden und Katzen sehr häufig vorkommt. Diese Patienten müssen, je nach Stadium der Erkrankung, mehrmals jährlich durch Kontrolluntersuchungen wie Harnuntersuchung, Blutuntersuchung und Blutdruckkontrolle überwacht werden. Ein konsequentes "Monitoring" kann Verschlechterungen der Erkrankung schnell aufzeigen und eine entsprechend rasche Therapieanpassung ermöglichen.

ANI Akute Niereninsuffizienz

Akute Niereninsuffizienz (ANI)

Mit "akuter Niereninsuffizienz" bezeichnet man den plötzlichen, teilweisen oder totalen Ausfall der Nierenfunktion.

Vorkommen und Ursachen:

Im Vergleich zur chronischen Niereninsuffizienz ist der akute Verlust der Nierenfunktion wesentlich seltener. Je nach Lokalisation der Ursache spricht man von einer:

Prärenalen ANI

wenn Erkrankungen, die der Niere "vorgeschaltet" sind, für das Nierenversagen verantwortlich sind.
Beispiele: verminderte Durchblutung der Nieren durch Kreislaufschock oder im Verlauf einer Narkose.

Renalen ANI

wenn das Nierengewebe geschädigt wird durch

  • körpereigene Toxine, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Darmverschluss, Bauchfellentzündung oder Pyometra entstehen.
  • Äußere (Gift-) Stoffe, die vom Tier aufgenommen werden, wie zum Beispiel Ethylenglykol (süß schmeckendes Frostschutzmittel), Thallium (Rattengift), Rosinen, Antibiotika, Schmerzmittel.
  • Infektionen, zum Beispiel mit Leptospiren.
  • Verletzung der Niere durch Trauma, zum Beispiel Autounfall
Postrenalen ANI

wenn die Krankheitssymptome durch eine Harnabflussstörung verursacht werden, z.B. durch Harnröhrensteine oder Abriss eines Harnleiters infolge eines Unfalls.

Klinische Symptome

Je nach Ursache können die Symptome variieren und der Verlauf akut oder perakut sein.

Häufige Symptome sind:

  • Fieber, Schwäche, Depression, Appetitlosigkeit, Austrocknung (Dehydratation)
  • Erbrechen, Durchfall, Magen-Darmblutungen, Mundgeruch,
  • Gerinnungsstörungen, Blutungsneigung, blutiger Kot, blutiger Urin.

Je nach Ursache und Verlauf, Absetzen großer Mengen unkonzentrierten Urins oder bis zum völligen Sistieren des Urinabsatzes.

  • Im Endstadium: Koma, Tod

Diagnose

Trotz des Notfallcharakters der Erkrankung ist die eingehende Aufnahme des Vorberichtes ("hat Rosinen gefressen", zum Beispiel) sehr wichtig und kann Hinweise auf eine mögliche Ursache geben. Bei der Blutuntersuchung [strong] werden häufig erhöhte Harnstoff-, Kreatinin-, Kalium- und Phosphatwerte festgestellt.

Bei der Untersuchung des Harnsedimentes findet man besonders bei der renalen Form Harnzylinder, Zellen und Kristalle.

Therapie

Schnelles Handeln ist erforderlich, um die verbliebene Nierenfunktion zu unterstützen. Die erste und wichtigste Maßnahme ist Ersatz von Flüssigkeit durch Infusion und der Ausgleich von Elektrolyten. Bei Patienten, die wenig oder gar keinen Urin absetzen, muss mit Einsatz von Diuretika versucht werden, den Harnabsatz wieder in Gang zu bringen.

Innerhalb von 24 - 36 Stunden sollte sich der Zustand des Patienten verbessert haben und eine Steigerung der Harnausscheidung erzielt worden sein.

Ist dies nicht der Fall, muss die Dialyse in Betracht gezogen werden. In der Veterinärmedizin kommt meist die "Peritonealdialyse" (Bauchfelldialyse) zum Einsatz. Herzu wird eine hochosmotische Dialyselösung über einen Katheter in den Bauchraum verbracht und dort belassen. Durch den Konzentrationsunterschied zwischen der Lösung und dem Blut werden Wasser und Giftstoffe (Harnstoff, Kreatinin, Phosphat) aus dem Blut über das Bauchfell in die Dialyseflüssigkeit gezogen. Als Dialyselösungen werden meist Ringerlaktatlösungen mit Dextrosezusatz verwendet. Die Flüssigkeit wird regelmäßig, mehrmals täglich ausgetauscht. Da die Infektionsgefahr bei dieser Behandlung sehr groß ist, können Katheter daher nur 1 bis 2 Tage belassen werden.

Im weiteren Verlauf werden Antiemetika zur Behandlung von Erbrechen und Substanzen, die die Magenschleimhaut schützen, eingesetzt. Die Ernährung erfolgt mit entsprechender Diätnahrung. Nehmen die Tiere anfangs nicht selbständig Nahrung auf, müssen sie eventuell über eine Ernährungssonde versorgt werden. Tiere mit ANI neigen zu Harnwegsinfektionen, die eine antibiotische Behandlung erfordern.

Prognose

Die Prognose ist umso besser, je schneller die Erkrankung erkannt und eine entsprechende Therapie eingeleitet wird. Die meisten Patienten sind "Intensivpatienten", deren Laborwerte im akuten Stadium ständig, also mehrmals täglich, kontrolliert werden müssen. Ohne Intensivversorgung ist die Prognose mäßig bis schlecht.

Nach Überstehen der akuten Phase kann es Wochen und Monate dauern, bis sich die Blutwerte völlig normalisieren. Das therapeutische Vorgehen entspricht in dieser Zeit dem bei Vorliegen einer CNI (chronische Niereninsuffizienz).

Eine vollständige Heilung ist möglich.

Bei einigen Patienten entwickelt sich nach Überstehen der akuten Erkrankung eine chronische Niereninsuffizienz, mit der das Tier bei entsprechender Behandlung über Jahre leben kann.

CNI Chronische Niereninsuffizienz

Eine eingeschränkte Nierenfunktion und dadurch Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut von mehr als 2 Wochen wird als chronische Niereninsuffizienz bezeichnet.

Ursachen und Vorkommen:

CNI ist eine Erkrankung, von der viele ältere Hunde und Katzen betroffen sind. Dies gilt besonders für Katzen. Über 10% aller Katzen über 10 Jahre und sogar 30 % aller Katzen ab einem Alter von 15 Jahren weisen eine eingeschränkte Nierenfunktion auf. CNI gilt als die häufigste Todesursache bei Katzen. Bei Hunden tritt die Erkrankung gehäuft bei Pudeln, Berner Sennenhunden und Yorkshire Terriern auf.

Wesentlich seltener wird CNI bei jungen Tieren diagnostiziert. Hier spielen meist angeborene, fortschreitende Nierenerkrankungen, zum Beispiel die PKD, Polycystic Kidney Disease, bei Katzen (besonders Perserkatzen), eine ursächliche Rolle. Bei Vorliegen einer PKD wird das gesunde Nierengewebe nach und nach durch Zysten verdrängt.

Sehr typisch für CNI ist der schleichende Verlauf. Erst wenn bereits 65 - 70% der Nephrone zerstört sind, kommt es zu klinischen Symptomen. Bis zu diesem Punkt werden die Aufgaben der zugrunde gegangenen Nephrone durch Mehrarbeit der funktionsfähigen ausgeglichen. Die Niere kann also sehr gut kompensieren. Allerdings führt die Überbelastung wie in einem Teufelskreis zu einem immer schneller fortschreitenden Untergang weiterer Nephrone.

Die Anfangsstadien einer Niereninsuffizienz bleiben daher bei vielen Tieren als latente Erkrankung über Monate bis Jahre unerkannt.Dieser weit zurückliegende Beginn der Erkrankung ist auch der Grund, weshalb viele auslösende Ursachen nicht mehr ermittelt werden können.Häufig findet man bei einer Nierenbiopsie lediglich den Ersatz von funktionstüchtigem Nierengewebe durch narbiges Bindegewebe.

Weitere Ursachen einer CNI sind: Schrumpfnieren, Zystennieren, Tumore (zum Beispiel im Zusammenhang mit der Leukose bei Katzen), Folgeerkrankung einer akuten Niereninsuffizienz (ANI).

Klinische Symptome:

Bei Vorliegen einer CNI geht in vielen Fällen die Fähigkeit der Blutdruckregulation verloren: Der Blutdruck steigt. [strong] Als direkte Folge davon kommt es zur Verschlimmerung der Niereninsuffizienz, denn der erhöhte Blutdruck schädigt direkt funktionsfähige Nephrone. Durch den erhöhten Druck wird vermehrt Eiweiß im Glomerulum durch die Kapillarwände gepresst, und es kommt zur Ausscheidung von Protein über den Urin (Proteinurie).

  • Erhöhter Blutdruck und Proteinurie sind immer als Verdachtssymptome einer Nierenerkrankung zu werten! Bluthochdruck kann weiterhin zur Schädigung des Herzmuskels führen und zu Blutungen in der Netzhaut und Netzhautablösung mit nachfolgender Erblindung. Dies kann recht häufig bei Katzen beobachtet werden.
  • Eine geschädigte Niere verliert je nach Grad der Zerstörung immer mehr die Fähigkeit, Urin zu konzentrieren. Das heißt, sie braucht immer mehr Wasser, um die erforderlichen Schadstoffe aus dem Körper zu schleusen: Der Patient scheidet große Mengen "dünnen" Urin aus: Polyurie. Um dies zu kompensieren, muss das Tier entsprechend mehr Trinkwasser aufnehmen: Polydipsie.

Polyurie und Polydipsie sollten immer als Hinweis auf das Vorliegen einer Nierenerkrankung gesehen werden.

  • Kann der Wasserverlust über den Harn nicht ausreichend durch die Trinkwassermenge kompensiert werden, trocknet der Patient immer mehr aus. Man spricht von der "Dehydratation".
  • Wird der Regulationsmechanismus Polyurie / Polydipsie überschritten, reichern sich die ausscheidungspflichtigen Stoffe im Blut an: erhöhte Konzentrationen von Harnstoff und Kreatinin sind im Blut nachweisbar. Hohe Harnstoffwerte im Blut verursachen Magen-Darmgeschwüre und geschwürige Veränderungen der Mundschleimhaut und Zunge, die äußerst schmerzhaft sind und zur Nahrungsverweigerung führen. Typisch ist ein starker Mundgeruch.
  • Im Zusammenhang mit einer verminderten Filtration wird auch Phosphat nicht mehr genügend ausgeschieden, der Phosphatspiegel im Blut steigt. "Hyperphosphatämie" ist eine häufige Diagnose bei Patienten mit CNI und hat weit reichende Folgen für den Calcium-/Phosphathaushalt des Körpers.
  • Calcitriol kann nicht mehr in genügendem Maße gebildet werden, daher nimmt die Aufnahme von Calcium aus dem Verdauungstrakt ab: Der Calciumspiegel im Blut sinkt: "Hypocalcämie". Hypokalzämie und Hyperphosphatämie führen im weiteren Krankheitsverlauf zum "Hyperparathyroidismus", einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen.
  • Die Parathyroidea ist die Nebenschilddrüse. Sie kontrolliert durch die Freisetzung des so genannten "Parathormons" den Phosphat- und Calciumhaushalt des Körpers. Das Parathormon stimuliert:
    • die Phosphatausscheidung im Urin
    • die Freisetzung von Calcium aus dem Skelett
    • die Produktion von Calcitriol durch die Nieren.

Bei CNI funktioniert dieser Regelkreis nicht mehr, weil Phosphat nicht genügend ausgeschieden werden und die Niere nicht genügend Calcitriol produzieren kann.

  • Die klinischen Folgen: Calcium wird vermehrt aus den Knochen freigesetzt, es kommt zur Entkalkung von Knochen (Osteoporose), zum "Gummikiefer" (selten) und zur Lockerung von Zähnen durch Resorptionsvorgänge in den Zahnalveolen.

Durch die Mobilisation von Calcium aus dem Knochen, steigt entsprechend der Calciumspiegel im Blut an: "Hypercalcämie". Hohe Calciumwerte im Blut führen auf Dauer zu einer Verkalkung von Weichteilgeweben. Dies gilt auch für die Niere, wodurch eine Verschlimmerung der Erkrankung eintritt.

  • Durch die Ausscheidung von Wasserstoffionen und die je nach Bedarf erfolgende Ausscheidung oder Rückresorption von Basen (Bicarbonat), die Säuren entsprechend "abpuffern" können, hält die gesunde Niere den Säurespiegel (pH-Wert) des Blutes konstant. Ist dieser Regulationsmechanismus bei einer CNI gestört, kommt es zu einer "Übersäuerung" des Blutes, der "Azidose": der pH- Wert des Blutes sinkt unter den Normalbereich. Eine Azidose tritt besonders häufig bei erkrankten Katzen auf. 60-80 % der Katzen mit CNI zeigen eine Azidose. Eine Azidose äußert sich klinisch in Appetitlosigkeit, Erbrechen, Muskelschwäche und Gewichtsverlust.
  • Kalium ist ein Elektrolyt, das allgemein für die Zellfunktion wichtig ist. Es beeinflusst den Muskelstoffwechsel und insbesondere die Tätigkeit des Herzmuskels. Bei Vorliegen einer CNI wird es generell über die Maßen ausgeschieden, es kommt zur so genannten "Hypokaliämie". Besonders bei Katzen macht sich dieser Verlust als Muskelschwäche in hochgradigen Fällen mit typischer gebeugter Kopf- Brust-Haltung bemerkbar. Auch das Gegenteil, ein zu hoher Kaliumspiegel, "Hyperkaliämie" mit Zuckungen und Krämpfen kann bei CNI auftreten!
  • Natrium ist ein Elektrolyt, das wichtig ist für den Zellstoffwechsel, die Weiterleitung von Nervenimpulsen und die Regulation des Flüssigkeitsspiegels im Blut. Eine Erhöhung bei CNI "Hypernatriämie" kann den Bluthochdruck verschlimmern.
  • Im Zusammenhang mit einer CNI verringert sich die Produktion von Erythropoietin. Die Stimulation des Knochenmarks zur Bildung roter Blutkörperchen nimmt ab. Es kommt zur Blutarmut, Anämie.
  • Weitere Krankheitserscheinungen, die bei CNI- Patienten häufig festgestellt werden können: Schlechte Fellqualität, Schuppen, stumpfes Haarkleid, blasse, verwaschene Schleimhäute.

Diagnose:

Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann die Diagnose meist schon anhand der klinischen Symptome gestellt werden. Untermauert wird die Diagnose durch das Blutbild. Harnstoff und Kreatinin sind die beiden wichtigsten Parameter für die Nierenfunktion.

  • Harnstoff ist ein Stoffwechselprodukt, das bei der Verdauung von Eiweiß im Futter entsteht. Kann Harnstoff infolge einer Nierenschädigung nicht mehr ausreichend über den Urin ausgeschieden werden, steigt der Spiegel im Blut an.
  • Kreatinin ist ebenfalls ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das beim Muskelstoffwechsel entsteht. Da es nicht von der Nahrungszusammensetzung beeinflusst wird, gilt es als genauerer Parameter für die Nierenfunktion.

Beide Werte können auch durch andere Faktoren und Erkrankungen erhöht sein, zum Beispiel bei schweren Formen von Diabetes mellitus, bei schwerer Dehydrataion, bei proteinreicher Ernährung (Harnstoff) oder bei Zerstörung von Muskelzellen (Kreatinin).

Man unterscheidet daher:

  • "Azotämie": Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut ungeachtet der Ursache.
  • "Urämie": Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut durch Nierenversagen mit den entsprechenden klinischen Symptomen.
Blutwerte bei CNI
  • Der Phosphatwert im Blut ist erhöht.
  • Calciumwerte können sowohl erhöht als auch erniedrigt sein. Hypo- und Hyperkalzämie können vorliegen (siehe auch unter Klinische Symptome).
  • Parathormon (PTH ) ist erhöht.
  • Ob eine Azidose vorliegt, kann mit Hilfe der Bestimmung des Kohlendioxidgehaltes des Blutes erfolgen.
  • Die Werte der Elektrolyte können schwanken. Häufiger findet man verminderte Kalium- und erhöhte Natriumwerte.
  • Durch den Mangel an Erythropoietin findet man im Blutbild generell einen Mangel an Erythrozyten und einen erniedrigten Hämatokritwert.
  • Da das Knochenmark nicht mehr oder nur eingeschränkt durch Erythropoietin zur Produktion von roten Blutkörperchen stimuliert wird, sind auch die Vorstufen der Erythrozyten, die Retikulozyten im Blut vermindert. Man bezeichnet diesen Zustand als "nicht-regenerative Anämie".

Bei allen Blutwerten muss berücksichtigt werden, dass sie "falsch" erhöht sind, wenn das Tier ausgetrocknet ist (Hämokonzentration: konzentriertes, flüssigkeitsarmes Blut). Nach entsprechender Infusionstherapie sollte daher eine erneute Untersuchung erfolgen!

Bei der Urinuntersuchung findet man häufig einen "dünnen" Urin (erniedrigtes spezifisches Harngewicht), weil die Konzentrationsfähigkeit der Niere verloren gegangen ist, sowie eine vermehrte Ausscheidung von Protein, "Proteinurie".

Frühdiagnostik

Da sowohl klinische Symptome als auch Veränderungen der Laborparameter erst auftreten, wenn schon große Teile der Nieren zerstört sind, wurden Untersuchungsmethoden entwickelt, die bereits Anfangsstadien einer Nierenschädigung erkennen lassen:

  • Bestimmung der Glomerulären Filtrationsrate
    Eine Testsubstanz (Kreatinin oder Inulin) wird dem Körper durch Injektion zugeführt und deren Ausscheidung mit Hilfe (je nach Testsubstanz) einer oder mehrerer zeitlich genau bestimmter Blutproben festgehalten.
  • Urin-Elektrophorese (SDS-Page)
    Mit diesem Verfahren kann eine Aussage gemacht werden über die Art und Größe von Proteinmolekülen, die über den Urin ausgeschieden werden.
  • Protein- / Kreatinin - Verhältnis im Urin
    Mit diesem Test können bereits sehr geringe Proteinmengen im Urin festgestellt werden. Im Vergleich zur Untersuchung mit Harnteststreifen ist diese Bestimmung wesentlich empfindlicher. Durch die Angabe im Verhältnis zum Kreatiningehalt werden bei diesem Test gleichzeitig Ungenauigkeiten, die in Abhängigkeit vom Harnvolumen oder der Harnkonzentration entstehen können, berücksichtigt. Bei positivem Test muss abgeklärt werden, ob die vorliegende Proteinurie durch eine Nierenschädigung verursacht wird, oder ob andere Faktoren wie Fieber, erhöhter Blutdruck oder Stress eventuell verantwortlich sind.

Therapie:

Die Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz richtet sich in erster Linie nach dem Zustand und den Bedürfnissen des erkrankten Tieres. Viele Medikamente werden in Abhängigkeit von den Laborparametern verabreicht und durch engmaschige Kontrolluntersuchungen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft. Je früher die Behandlung einer CNI erfolgt, umso besser sind die Aussichten, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Routinemäßige Checks der Hunde und Katzen ab einem Alter von etwa 6 Jahren mit Berücksichtigung der Nierenwerte können Nierenerkrankungen noch vor der Manifestation klinischer Symptome aufdecken und entsprechende Maßnahmen ermöglichen.

Nierendiät

Spezielle Nierendiäten berücksichtigen durch ihren reduzierten Proteingehalt die Problematik der Harnstoffentstehung beim Eiweißabbau und die daraus resultierende Anreicherung im Blut bei eingeschränkter Nierenfunktion. Weniger Protein bedeutet weniger Arbeit für die Nieren.

Ebenfalls reduziert ist der Phosphatgehalt dieser Futtermittel, um eine Phosphatanreicherung im Blut zu vermeiden, bzw. eine bestehende Hyperphosphatämie zu korrigieren.

Die verringerte Proteinmenge in diesen Futtermitteln

  • Der Bedarf an Protein insbesondere bei der Ernährung der Katze ist relativ hoch.
  • Nierenkranke Tiere bauen generell körperlich ab und sind daher auf eine hochverdauliche Nahrung mit einem Mindestgehalt an Proteinen angewiesen.
  • Proteinarme Diäten werden von den Tieren meist nicht sehr gut akzeptiert.
  • Sind die Tiere in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung und daher bereits appetitlos, bereitet die Verabreichung einer solchen Diät häufig große Probleme. teln ist nicht ganz unproblematisch:

Verweigerung der Nahrung kann bei Tieren, besonders bei Katzen, mit Niereninsuffizienz schnell lebensbedrohlich werden. Wird Nahrung nicht selbständig aufgenommen, kann man versuchen, sie zu pürieren (oder spezielle Sondernahrung verwenden) und das Tier mit Hilfe einer Spritze zu füttern. Als letzte Möglichkeit bleibt die vorübergehende Ernährung über eine Speiseröhrensonde oder Magensonde.

Tipps zur besseren Akzeptanz einer Nierendiät:

Die Futterumstellung sollte möglichst nicht während eines Klinikaufenthaltes, sondern zu Hause erfolgen, damit das Tier das Futter nicht direkt mit einer unangenehmen Erfahrung in Verbindung bringt. Aus dem gleichen Grund auch keine Tabletten unter das Futter mischen.

  • Das Anwärmen des Futters erhöht die Akzeptanz. Angewärmtes Futter riecht intensiver und wirkt dadurch appetitstimulierend.
  • Häufig mehrere kleine Mahlzeiten verabreichen.
  • Eventuell anfangs aus der Hand füttern.
  • Den Geschmack durch Hinzufügen kleiner Mengen Fleisch- oder Fischfonds oder Hühnerbrühe verbessern.
Phosphatbinder

Kann die Kontrolle des Phosphorspiegels im Blut nicht allein durch die Verabreichung der Diätnahrung erzielt werden, sollten zusätzlich so genannte Phosphatbinder verabreicht werden. Die Phosphatrestriktion ist wichtig, um das Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu verlangsamen. Die Kontrolle des Phosphatspiegels gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei CNI - Patienten!

Neuste Erkenntnisse

  • Statt wie früher die Proteinurie wird heute die Störung der Phosphatausscheidung und die Phosphatanreicherung im Stoffwechsel als ein Hauptfaktor für das weitere Fortschreiten der Nierenschäden betrachtet .
  • Den erhöhten Phosphatwerten sollte Aufmerksamkeit geschenkt werden, da diese direkt im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Erkrankung sowie der Morbidität und der Mortalität der Katzen mit CNI stehen.
  • Aufgrund von besagten Kompensationsmechanismen der Niere ist eine Erhöhung der Phosphatwerte erst spät im Verlauf der CNI im Blut messbar. Mit einer Phosphatanreicherung im Organismus muss jedoch bereits in frühen Stadien der Nierenerkrankung gerechnet werden.
  • Die Restriktion der Phosphataufnahme sowie die regelmäßige Überwachung von Phosphat im Plasma ist heute wichtiger Bestandteil eines effektiven Managements der CNI.

In der Tiermedizin wird als neuster Phosphatbinder das als Nahrungsergänzungsmittel in der Veterinärmedizin zugelassene Renalzin® [strong] angewendet.

Renalzin® ist eine anwenderfreundliche orale Suspension und enthält einen sogenannten Phosphatbinder, der die Phosphataufnahme aus dem Futter verhindert. Dieser Phosphatbinder heißt Lantharenol® (Lanthankarbonat-Octahydrat) und stammt aus der neusten humanmedizinischen Forschung zur Niereninsuffizienz beim Menschen.

Für eine einfache Anwendung wurde Renalzin® als orale Suspension entwickelt. Es kann leicht sowohl mit Feucht- als auch mit Trockenfutter vermischt werden.

Weiterhin enthält Renalzin® als Toxinbinder Kaolin und den natürlichen Radikalfänger Vitamin E.

Phosphatbinder müssen immer im Abstand zu anderen Präparaten (Antibiotika, ACE- Hemmer, Eisenpräparate) verabreicht werden, weil sie deren Aufnahme in den Körper beeinträchtigen und so einen Wirkungsverlust verursachen können. Phosphatbinder müssen immer über das Futter verabreicht werden, damit sie den im Futter enthaltenen Phosphor binden können!

Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr

Besonders wichtig bei Tieren mit CNI ist die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit Die Unfähigkeit der Niere, den Urin zu konzentrieren verursacht Polyurie, also Absatz großer Mengen unverdünnten Urins. Wird dieser Flüssigkeitsverlust nicht durch die Trinkwasseraufnahme ausgeglichen, kommt es zur Dehydrierung, ein Zustand, der schnell lebensbedrohlich wird. In fortgeschrittenen Fällen muss der Ausgleich durch eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr erfolgen.

Wichtig ist es, die Tierbesitzer darauf hinzuweisen, dass die Tiere viel Flüssigkeit aufnehmen müssen, dass möglicherweise eher Feucht- als Trockenfutter verabreicht wird und diesem eventuell noch zusätzlich Wasser zugefügt wird. Frisches Trinkwasser sollte für die Patienten immer verfügbar sein. Bei geschwächten Tieren ist es sinnvoll, mehrere Näpfe aufzustellen und den Geschmack durch Hinzufügen von Hühnerbrühe attraktiver zu machen. Auch das Aufstellen von Trinkwasserbrunnen kann die Aufnahmemenge erhöhen, weil viele Tiere fließendes Wasser bevorzugen.

Gerade bei Katzen kann die Aufnahme von genügend Flüssigkeit problematisch sein. Hier gelingt es vielen Tierbesitzern nach entsprechender Anleitung in der Praxis, diese als subcutane Infusion zu geben.

Blutdruckregulierung

Erhöhter Blutdruck kann durch die Verabreichung von blutdrucksenkenden Calciumkanalblockern (z.B. Amlodipin) [strong] oder ACE- Hemmern (zum Beispiel Benazepril, Fortecor, Vasotop) kontrolliert werden. Der klassische Einsatz für ACE - Hemmer ist die Herzinsuffizienz. Sie wirken blutdrucksenkend, vermindern die Proteinurie und verzögern somit das Fortschreiten der CNI. Bei der Anwendung von ACE - Hemmern kann es zum Anstieg von Kreatinin im Blut kommen. Dies muss durch regelmäßige Blutkontrollen überprüft werden.

Azidosebehandlung

Eine mäßige Stoffwechselübersäuerung des Organismus (Azidose) normalisiert sich meist durch die Verabreichung einer Nierendiät. Haben sich die Werte nach 2-4 Wochen nicht normalisiert, empfiehlt sich die Gabe von Natriumbikarbonat (Backnatron) [strong] als "Puffer". Das Pulver kann über das Trinkwasser verabreicht werden. Bis zur Erreichung stabiler Blutwerte sind Blutuntersuchungen in Abständen von 2-4 Wochen erforderlich.

Weitere Maßnahmen
  • Ein herabgesetzter Blutkaliumspiegel wird ebenfalls in den meisten Fällen durch die Verabreichung einer speziellen Nierendiät normalisiert, denn die meisten Diäten sind entsprechend mit Kalium angereichert. Ansonsten kann Kaliumglukonat über das Futter verabreicht werden.
  • Erythropoietin zur Behandlung einer vorliegenden Anämie ist in der Humanmedizin erhältlich. Es wird eher in Ausnahmefällen bei Tieren eingesetzt, da es sehr teuer ist und bei 30% der behandelten Tiere zu Unverträglichkeitsreaktionen führt.
  • Bluttransfusionen können bei stark geschwächten Patienten zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens führen. · Bei anhaltendem Vomitus können bis zur Stabilisierung des Patienten Antiemetika eingesetzt werden.
  • Um den Verlust wasserlöslicher Vitamine über die Niere auszugleichen, empfiehlt sich die regelmäßige Verabreichung von Vitamin B und E. Vitamin B wirkt häufig auch appetitstimulierend. Vitamin E hat die Wirkung eines "Zellschutzvitamins".
  • Untersuchungen bei Hunden haben gezeigt, dass die Verabreichung ungesättigter Fettsäuren (Fischöl, Distelöl) die glomeruläre Filtrationsrate verbessern kann.
  • Viel Liebe und Zuwendung ist für ein krankes Tier immer wichtig!

Prognose:

Patienten mit CNI sind Dauerpatienten, die eine intensive Betreuung erfordern. Regelmäßige Kontrollen der Blutparameter und entsprechende Anpassung der Ernährung bzw. der Medikamente sind wichtig und ermöglichen den Patienten trotz der Erkrankung für Monate oder sogar Jahre beschwerdefreies Leben.

Tierbesitzer, die erfahren, dass ihr Tier an einer unheilbaren Nierenerkrankung leidet, sind häufig geschockt und brauchen moralische Unterstützung, Beratung und intensive Anleitung, wie sie ihrem Tier am besten helfen können.

Zu forcieren ist die Aufklärung der Tierbesitzer über Früherkennungsuntersuchungen, denn je früher eine Behandlungs- oder (diätetische) Vorsorgemaßnahme eingeleitet werden kann, umso besser ist die Prognose. Im Gegensatz zu Lebergewebe kann Nierengewebe nicht regenerieren. Geschädigte oder zugrunde gegangene Nephrone heilen nicht und können nicht ersetzt werden.

Harnuntersuchung

Harnuntersuchung

Die Untersuchung einer Urinprobe kann wertvolle Hinweise auf das Vorliegen verschiedener Erkrankungen bei Hunden und Katzen liefern:

 

Nierenerkrankungen, Harnwegsinfektionen, Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel: Diabetes mellitus), Infektionskrankheiten (zum Beispiel: Babesiose), Harnsteine, Tumorerkrankungen. Urinuntersuchungen finden Einsatz.

  • beim Vorliegen von Erkrankungen zur Diagnosefindung
  • im Rahmen allgemeiner Gesundheitschecks (zum Beispiel bei älteren Patienten als Geriatrieprofil)
  • als Kontrolluntersuchungen, sogenanntes "Monitoring", während einer Therapie (zum Beispiel: Untersuchung auf Glucose und Ketonkörper bei Diabetikern oder Untersuchung auf Kristalle bei Verfütterung einer Harnstein-auflösenden Diät).

Das Untersuchungsergebnis ist abhängig von der sorgsam gewonnenen und vorbereiteten Urinprobe.

 

Probengewinnung

In der Tiermedizin gestaltet sich die Gewinnung einer Harnprobe meist deutlich schwieriger als die Gewinnung einer Blutprobe. Je nach verwendeter Methode besteht einerseits erhöhte Kontaminationsgefahr des Urins, andererseits erhöhte Gefahr, das Tier bei der Urinentnahme zu verletzen.

Auffangen von Spontanharn

Diese Methode ist für den Patienten komplikationslos und kann auch vom Tierbesitzer durchgeführt werden. Besonders einfach ist diese Methode generell bei Rüden, erheblich schwieriger bereits bei Hündinnen und Katzen.

Urinproben, die auf diese Weise gewonnen werden, sind häufig verunreinigt mit Zellen, Bakterien oder sogar Schmutz und Haaren die aus dem äußeren Genitaltrakt oder der Umgebung der Harnröhrenöffnung stammen. Diese Proben eignen sich demnach nicht zur bakteriologischen Untersuchung. Sie sind in der Regel ausreichend für die chemische Untersuchung (zum Beispiel: Bestimmung des Glucosegehaltes).

Da generell der Anfangsstrahl am stärksten kontaminiert ist, sollte möglichst der Mittelstrahlurin aufgefangen werden.

Auffangen des Urins nach manueller Kompression der Blase

Bis auf eine recht geringe Gefahr, die Blase durch zu großen Druck zu verletzen, ist auch diese Methode für den Patienten ungefährlich. Sie wird in der Praxis häufig bei Katzen angewendet, die in den meisten Fällen nach einigen Minuten (mäßiger!) Dauerkompression der einigermaßen gefüllten Blase, Urin absetzen.

Die Kontaminationsgefahr der Probe ist ähnlich hoch wie beim Auffangen von Spontanharn.

Katheterharn

Generell unproblematisch ist die Gewinnung von Katheterharn beim Rüden. Aufwendiger, meist jedoch noch ohne vorherige Sedierung möglich, ist dieses Vorgehen bei der Hündin. Kater und Kätzin müssen in den allermeisten Fällen sediert werden.

Der Grad der Verunreinigung ist geringer, jedoch besteht die Gefahr der bakteriellen Infektion durch die Katheterisierung. Das Verwenden steriler Katheter und möglichst aseptisches Arbeiten ist wichtig.

Zystozentese

Diese Probengewinnung eignet sich am besten, wenn der Urin bakteriologisch untersucht werden soll.

Bei dieser Methode wird die von außen manuell fixierte Blase durch die Bauchdecke hindurch punktiert und Urin mit der aufgesetzten Spritze aspiriert.

Viele Patienten, insbesondere Hündinnen und Katzen, tolerieren dieses Vorgehen eher, als das Schieben eines Katheters.

 

Sammelgefäße und Lagerung von Proben

Sammelgefäße

Urinbecher müssen sauber, trocken und gut verschließbar sein. Marmeladegläser oder Kosmetiktöpfe, in denen immer wieder durch Besitzer aufgefangener Urin zur Untersuchung gebracht wird, sind absolut ungeeignet, da selbst minimale Rückstände von Inhalten oder Reinigern die Probe verändern können.

Sterile Sammelgefäße sind bei bakteriologischen Untersuchungen erforderlich.

Es sollten möglichst mindestens 5-10 mL Urin zur Verfügung stehen.

Um Verwechslungen zu vermeiden, müssen Probengefäße immer deutlich gekennzeichnet sein.

Lagerung von Proben

Lagerung von Urinproben ist immer problematisch:

  • Vorhandene Kristalle können sich auflösen.
  • Durch die Lagerung können sich aber auch Kristalle bilden (!).
  • Bei ungekühlter Lagerung kann es zur Vermehrung von Bakterien kommen.

Ist die Untersuchung einer Probe nicht innerhalb von ½ Stunde möglich, sollte sie im Kühlschrank aufbewahrt werden. Vor der Untersuchung muss sie dann wieder auf Zimmertemperatur gebracht und vorsichtig durchmischt werden.

 

Urinparameter

Die Verschiedenen Urinparameter

Die Urinuntersuchung ist eine der ältesten medizinischen Untersuchungen.
Von früher stammen noch die einfache Beurteilung der Farbe, Transparenz und des Geruchs zusammen mit der Bestimmung der Menge. Hinzugekommen sind unter anderem die Beurteilung des Spezifischen Gewichtes und die Untersuchung mit Hilfe von Harn-Teststreifen. All diese Untersuchungen werden zusammengefasst als sogenannte Urinparameter.

Beurteilung von Menge, Farbe, Transparenz, Geruch 

 

Menge

Ein gesunder Hund produziert pro Tag 20-40 mL Urin pro Kilogramm Körpergewicht. Eine exakte Messung der Tagesgesamtmenge gelingt nur bei strikter Käfighaltung und ist nur bei ganz speziellen Krankheitsbildern erforderlich.

Polyurie: Produktion und Ablassen großer Mengen von Urin. Polyurie ist häufig die Folge der Polydipsie, d.h. der erhöhten Aufnahme von Wasser.

  • Je nach Futter und Bewegung ist die Trinkwassermenge unterschiedlich, sollte beim Hund aber nicht mehr als 90 mL /kg Körpergewicht / Tag und bei der Katze nicht mehr als 45 mLl / kg Körpergewicht und Tag betragen.
  • Polydipsie / Polyurie kommen vor bei Diabetes, Morbus Cushing, Nierenversagen, Lebererkrankungen, Pyometra.
  • Die Verabreichung von Medikamenten wie zum Beispiel von Corticosteroiden kann ebenfalls Polydipsie / Polyurie verursachen.
  • Die Verabreichung von entwässernden Medikamenten, Diuretika, oder die Infusion großer Flüssigkeitsmengen führt zur Polyurie generell ohne Polydipsie.

Oligurie: Produktion und Absetzen zu geringer Mengen von Urin

  • Geringe Mengen von hochkonzentriertem Urin werden zum Beispiel bei Trinkwassermangel oder bei Schockzuständen produziert.
  • Akutes Nierenversagen kann ebenfalls eine Oligurie verursachen.
  • Eine Sonderform der Oligurie liegt vor, wenn die Tagesmenge des produzierten Urins normal ist, dieser aber immer nur in kleinen Mengen abgesetzt wird. Ursachen dafür können schmerzhafte Blasenentzündungen oder Verengungen der harnableitenden Wege durch Polypen, Tumore oder Blasensteine, Harnröhrensteine oder -gries sein. Man spricht dann auch von "Dysurie ".

Ein Harnröhrenverschluss oder auch eine Blasenruptur führt schließlich zum völligen Sistieren des Harnabsatzes der "Anurie".

Farbe

Je nach Konzentration ist die Farbe des Urins hellgelb bis bräunlich-gelb. Wird Urin längere Zeit bei Zimmertemperatur aufbewahrt, wird er dunkler.

Verschiedene Futtermittel und Medikamente können zu Farbveränderungen führen.

Zu besonders deutlichen Farbveränderungen kommt es, wenn Erythrozyten, Hämoglobin oder Bilirubin (zum Beispiel bei der Babesiose des Hundes!) mit dem Urin ausgeschieden werden. In diesen Fällen variiert die Urinfarbe von rot bis schwarzbraun ("colafarben").

Transparenz

Frisch abgesetzter Urin sollte völlig transparent und ohne sichtbare Schwebeteilchen, Flocken oder Ausfällungen sein. Bei gesunden Katzen können Fetttröpfchen, Lipide zu Trübungen führen. Im Urin, der länger gelagert oder im Kühlschrank aufbewahrt wird, können Kristalle ausfallen und zu Trübungen führen. Bei aufgefangenem Spontanharn sind Verschmutzungen möglich. Bei bakteriellen Infektionen kann es zu Trübungen kommen.

Geruch

Urin hat bekanntermaßen einen typischen Eigengeruch, der von Tierart zu Tierart (Pflanzenfresser: Fleischfresser) variiert und insbesondere bei unkastrierten Katern extrem unangenehm ist.

Bakterielle Infektionen des Harntraktes, Verabreichung von Medikamenten oder die Ausscheidung von Ketonkörpern (Ketonurie) beim Diabetiker können zu Veränderungen des Geruchs führen.

Das Spezifische Gewicht

Die Nieren haben die Aufgabe, harnpflichtige Stoffe mit dem Urin auszuscheiden. Gleichzeitig regulieren sie den Wasserhaushalt, indem sie je nach Bedarf mehr oder weniger Wasser ausscheiden bzw. zurückhalten.

Das Spezifische Gewicht des Urins ist ein Parameter seiner Konzentration, das heißt, der Menge an gelösten Ausscheidungsprodukten im Verhältnis zur Menge des ausgeschiedenen Wassers. Schwankungen sind abhängig von der Ernährung, der Wasseraufnahme und körperlicher Anstrengung.

Das Spezifische Gewicht variiert beim Hund [strong] zwischen 1.015 und 1.045 und bei der Katze [strong] zwischen 1.035 und 1.060 (zum Vergleich: Das Spezifische Gewicht von Wasser beträgt 1.00, das von Quecksilber 13,57).

 

Bestimmung des Spezifischen Gewichtes

Das Spezifische Gewicht des Urins kann einfach und verlässlich mit so genannten Handrefraktometern bestimmt werden. Harnstreifen liefern häufig fehlerhafte Ergebnisse und sind daher für Hunde- und Katzenurin ungeeignet.

Einige Tropfen Urin werden auf die Prismenoberfläche gebracht. Nach dem Schließen des Deckels muss die gesamte Oberfläche mit Harn bedeckt sein.

Das Prismenende wird gegen Licht gehalten. Beim Blick durch das Okular kann das spezifische Gewicht auf einer Skala abgelesen werden.

Bei klarer Urinprobe kann die Untersuchung mit unzentrifugiertem Urin durchgeführt werden. Ist die Probe trüb, wird das Spezifische Gewicht im Überstand des Zentrifugats bestimmt.

Hyposthenurie

Diuretika, große Infusionsmengen und vermehrtes Trinken erhöhen die Wasserausscheidung, der Urin wird "dünn": das Spezifische Gewicht nimmt ab = "Hyposthenurie".

Hypersthenurie

Bei Durstzuständen und Austrocknung wird weniger Wasser ausgeschieden (siehe auch Farbe des Urins): das Spezifische Gewicht ist höher als normal = "Hypersthenurie".

Beurteilung des Harn-Teststreifens

Der Ablauf dieser Untersuchung gestaltet sich ganz einfach:

  1. Die Testfelder des Harnteststreifens mit Urin befeuchten
  2. 1 Minute warten
  3. Ablesen: die Farben der Testfelder mit denen auf dem Teststreifenbehälter vergleichen

Folgende Parameter können bestimmt werden:

  • pH-Wert
  • Glukose
  • Ketonkörper
  • Bilirubin
  • Blut (Erythrozyten, Hämoglobin)
  • Eiweiß
  • Nitrit
  • Leukozyten
pH-Wert

Die Nieren spielen auch bei der Aufrechterhaltung eines ausgeglichenen Säuren- und Basenhaushaltes des Organismus eine Rolle. Die Regulation erfolgt über die mehr oder weniger starke Ausscheidung von Ionen mit dem Urin. Demzufolge ist der pH- Wert keine feste Größe, sondern er schwankt zum Beispiel während des Tagesablaufes, ist abhängig von der Häufigkeit, der Menge und der Art des aufgenommenen Futters: Nach der Aufnahme von viel tierischem Protein, also zum Beispiel einer reinen Fleischmahlzeit, wird der Urin "sauer", der pH-Wert sinkt.

Erkrankungen wie Diabetes, Nierenversagen, Erbrechen, Durchfall und Fieber können ebenfalls zu Veränderungen des pH-Wertes führen.

Der Harn - pH-Wert bei Hunden und Katzen sollte zwischen 5,5 und 7,5 liegen.

Von großer Bedeutung ist die regelmäßige Kontrolle des pH-Wertes bei Blasensteinen und Blasengries. Je nach Steinart ist ihre Bildung abhängig von einem alkalischen oder sauren Urin.

Struvitsteine zum Beispiel lösen sich auf, wenn man den Tieren längere Zeit ansäuernde Diäten verabreicht.

Glukose

Das Auftreten von Glukose im Urin steht in einem direkten Zusammenhang mit der Konzentration von Glukose im Blut. Das bedeutet, dass bei einem positiven Harntest durch die Bestimmung des Blutzuckerspiegels abgeklärt werden muss, ob das Tier "zuckerkrank" ist, also unter Diabetes mellitus leidet.

Insbesondere bei Katzen kann es durch Stresssituationen zu einer vorübergehenden Erhöhung des Blutglukosespiegels mit ebenfalls vorübergehender Erhöhung des Glukosespiegels im Urin kommen. In diesen Fällen ist es ratsam, zur weiteren Abklärung eine Blutprobe in ein Labor zu schicken, um den Fruktosaminwert [strong] bestimmen zu lassen.

Ein erhöhter Fructosaminwert im Blut weist auf eine mindestens über 3 Wochen bestehende Erhöhung des Blutzuckerspiegels hin und ist daher stressunabhängig.

Ketonkörper

Kann ein Organismus aufgrund eines Insulinmangels Glukose nicht abbauen und als Energiequelle nutzen, greift er vermehrt seine Fettreserven an.

Beim Fettabbau werden Ketone / Ketonkörper gebildet, die dann auch vermehrt über den Urin ausgeschieden werden ("Ketonurie").

Diese Stoffwechselsituation wird auch als "Ketose" bezeichnet und verursacht Übelkeit und Apathie bis zu komatösen Zuständen. Der Nachweis von Ketonkörpern im Urin ist dementsprechend eine Notfallsituation und erfordert eine rasche Therapie.

Ketose / Ketonurie tritt auf bei:

  • fortgeschrittenem, unbehandeltem Diabetes mellitus
  • unzureichend eingestellten Diabetespatienten
  • unzureichende Insulinwirkung oder Insulinresistenz.

Die Untersuchung des Urins auf Glukose und Ketonkörper bei diabetischen Hunden und Katzen gehört zum Monitoring dieser Patienten und kann nach entsprechender Aufklärung und bis zu einem gewissen Umfang auch von den Tierbesitzern durchgeführt werden. Hungerzustände, Diäten mit niedrigem Kohlehydratgehalt und hohem Fettgehalt oder Fieber bei Zwergrassen können ebenfalls ursächlich für das Erscheinen von Ketonkörpern im Urin verantwortlich sein.

Bilirubin

Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Es wird in der Leber gebildet und gelangt mit der Galle in den Dünndarm. Bei massivem Anfall von Hämoglobin durch Zerstörung von Erythrozyten, bei Lebererkrankungen oder bei Verlegung der Gallenwege kann Bilirubin ins Blut übertreten (Bilirubinämie) und ab einer gewissen Konzentration auch über die Niere ausgeschieden werden ("Bilirubinurie").

Bilirubin wird regelmäßig bei ikterischen Tieren (Tiere mit Gelbsucht, Bilirubinämie) im Urin nachgewiesen.

Beispiele für Erkrankungen, die mit einer Bilirubinurie einhergehen:

  • Hund: Babesiose, Leptospirose
  • Katze: Infektionen mit Haemobartonella felis 
  • Immunbedingte Zerstörungen von Erythrozyten (Hämolyse)

Da Bilirubin auch bei gesunden Hunden im Urin gefunden wird, muss ein positiver Urintest immer durch weitere Blutuntersuchungen abgeklärt werden. Bilirubin im Urin von Katzen ist generell ein Zeichen für das Vorliegen einer Erkrankung.

Blut (Erythrozyten, Hämoglobin)

Harnteststreifen reagieren bereits auf Erythrozyten und Hämoglobin, wenn mit bloßem Auge noch keine Farbveränderungen des Urins zu erkennen sind. Das Testfeld zeigt einzelne intakte rote Blutkörperchen als grüne Pünktchen an. Eine gleichmäßige grüne Verfärbung ist eine Reaktion auf Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, der bei der Zerstörung von roten Blutkörperchen freigesetzt wird.

Positive Testergebnisse weisen auf Blutungen im Organismus mit Zerstörung von Erythrozyten oder Blutungen im Bereich des Harntraktes (Schleimhautblutungen durch Steine, Entzündungen oder Tumore) hin.

Cave: Bei der Untersuchung von Spontanurin mögliche Läufigkeit der Hündin oder Prostataerkrankung beim Rüden beachten!

Auch Myoglobin im Urin ("Myoglobinurie") kann zu einer Verfärbung dieses Testfeldes führen. Es entsteht bei Muskelerkrankungen, bei denen es durch Zerstörung von Muskelfasern freigesetzt wird.

Myoglobinurie kommt bei Hunden und Katzen sehr selten vor. Sie wird beobachtet nach Krampfanfällen oder bei Hunden auf der Rennbahn, die untrainiert oder nach längeren Pausen plötzlich Hochleistung erbringen.

Weitere Untersuchungen, wie die Untersuchung des Sediments oder Blutuntersuchungen müssen zur Abklärung eingeleitet werden.

Eiweiß

Das vermehrte Ausscheiden von Eiweiß mit dem Urin wird auch als "Proteinurie" bezeichnet und kann sehr viele verschiedene Ursachen haben:

Fieberzustände, Stress, Krampfanfälle, Nierenerkrankungen, Blasenentzündungen, Prostataerkrankungen

Nitrit

Nitrit wird von manchen Bakterien produziert. Ein positiver Test weist daher auf das Vorhandensein von Bakterien im Urin hin.

Der Test reagiert aber nicht auf alle Bakterien, das heißt, ein negativer Befund schließt Bakterien nicht aus!

Leukozyten

Leukozyten im Urin geben einen Hinweis auf das Vorliegen einer akuten Entzündung im Bereich der harnableitenden Wege oder auch im Bereich des Genitaltraktes.

Der Test ist bei Hunden und Katzen nicht zuverlässig. Falsch positive und falsch negative Ergebnisse kommen vor. Die Bestimmung sollte über die Sedimentuntersuchung erfolgen.

 

Vorbereitung des Urinsediments

Benötigte Materialien

  • Mikroskop
  • Saubere Objektträger (Glas) 
  • Deckgläser · Transferpipette
  • Zentrifuge
  • Konisches Zentrifugenröhrchen
  • Färbemittel (nach Wunsch)

Schrittweise Vorbereitung

1. Urin gründlich mischen und 5 mL in ein konisches Zentrifugenröhrchen pipettieren.

2. Probe 3 bis 5 Minuten bei 1500 bis 2000 Umdrehungen pro Minute zentrifugieren. Das Urinsediment sammelt sich an der Spitze des Zentrifugenröhrchens. Überstand vorsichtig abgießen (eventuell für die chemische Untersuchung aufbewahren!) bis auf einen Rest von etwa 0,5 mL.

3. Probe evtl. anfärben. Durch Spezialfärbungen lassen sich nicht-kristalline Bestandteile des Sediments wie Zellen, Zylinder und Mikroorganismen besser darstellen.

4. Sediment mit Restflüssigkeit gründlich vermischen. Nicht schütteln! Nur vorsichtig schwenken oder das Röhrchen mit dem Finger beklopfen.

5. Mit der Pipette einen Tropfen auf den Objektträger auftragen und mit einem Deckgläschen abdecken.

6. Licht des Mikroskops durch Absenken des Kondensors und Schließen der Irisblende dämpfen.

7. Probe zuerst mit dem schwächsten Objektiv systematisch durchmustern.

8. Probe mit dem stärksten Objektiv untersuchen. Besonders auf Bakterien achten.

9. Ergebnisse schriftlich dokumentieren.

 

Mikroskopie – 1

Mikroskopie des Urinsedimentes

Was kann man alles im Urinsediment sehen? Neben Blutzellen (z.B. Erythrozyten, Leukozyten oder verschiedene Epithelzellen) gibt es verschiedene Zylinder und Kristalle, die einem Aufschluss über mögliche Erkrankungen geben können. Des Weiteren können Mikororganismen vorhanden sein, aber auch Artefakte und Verunreinigungen. Auf den nächsten Seiten sind mehrere Beispiele und Kommentare zu den einzelnen Befunden im Mikroskop aufgeführt.

Mikroskopie: Zellen

Erythrozyten

Erythrozyten erscheinen je nach Spezifischem Gewicht und pH- Wert des Urins als kernlose Scheiben oder Kugeln, blassgelb, glatt und gleichförmig. Sie entstammen dem Blutgefäßsystem. In größerer Zahl kommen sie vor bei Blutungen, Entzündungen oder Tumorerkrankungen im Bereich der Harnwege.

Leukozyten

Leukozyten unterscheiden sich je nach Zelltyp: Neutrophile, Eosinophile, Lymphozyten und Monozyten/Makrophagen können vorkommen.

Merkmale:

  • Typischerweise kugelförmig, Granula im Zytoplasma und gelappte oder segmentierte Zellkerne.
  • Etwa doppelt so groß wie Erythrozyten.
  • In der Regel kleiner als Übergangsepithelzellen.
  • Im konzentrierten Harn kleiner als im verdünnten Harn.
  • Können vereinzelt oder in Klumpen auftreten.
Übergangsepithelzellen

Entstammen der Schleimhaut des Nierenbeckens, der Harnleiter, Harnblase und/oder Harnröhre.Sie kommen infolge natürlicher Zellerneuerungsprozesse in geringer Zahl physiologisch im Urin vor. Bei Entzündungen treten sie oft massenhaft auf.

Merkmale:

  • Birnen- bis spindelförmig, geschwänzt
  • Granuliertes Zytoplasma
  • 2-4 mal so groß wie Leukozyten
Neoplastische Epithelzellen

Oft nur schwer von Übergangsepithelzellen zu unterscheiden. Merkmale:

  • Große Zellen mit dichter Zusammenballung von Zellen und Kernen.
  • Überproportional große, stark gefärbte Kerne.
Plattenepithelzellen

Stammen aus dem Genitaltrakt. Hinweis auf Verunreinigung der Urinprobe mit Material aus dem Genitaltrakt (Spontanurin!).

Merkmale:

  • Groß, plattenförmig, unregelmäßige Kontur
  • Zellkerne unterschiedlich groß, können fehlen
  • Einzeln oder in Klumpen
  • Aussehen variiert bei der Hündin in Abhängigkeit vom Brunstzyklus

Mikroskopie: Zylinder

Zylinder bestehen aus einer äußeren Eiweißschicht, die von den Epithelzellen der Nierentubuli (Nierenkanälchen) ausgeschieden wird. Alles, was sich innerhalb dieser Nierentubuli befindet (Epithelzellen, Leukozyten, Erythrozyten), wird darin eingeschlossen. Harnzylinder stellen walzenförmige Ausgüsse der Nierentubuli dar. Normaler Urin enthält keine oder nur wenige Zylinder.

Das Auftreten von vielen Zylindern deutet auf eine Erkrankung im Bereich der Nierentubuli hin.

Hyaline Zylinder

Sie erscheinen farblos, homogen, transparent mit verschiedenen Formen und Größen und abgerundeten Enden.

 

Fettzylinder

Fetttröpfchen erscheinen innerhalb der Zylinder (evtl. Spezialfärbung).

Granulierte Zylinder

Granulierte Zylinder treten auf, wenn es zu vermehrtem Absterben von Zellen innerhalb der Nierentubuli kommt. Die Abbauprodukte dieser Zellen erscheinen als "Granula" innerhalb der Zylinder.

Wachszylinder

Schreiten Abbauprozesse weiter fort, bilden sich Wachszylinder. Sie erscheinen homogen mit "abgebrochenen" Enden. Sie können Einkerbungen oder Einrisse aufweisen.

Leukozytenzylinder

Innerhalb der Zylinder sind Leukozyten eingeschlossen. Sie treten auf bei entzündlichen Prozessen der Nierentubuli.

Mikroskopie: Kristalle

Zur Kristallbildung im Urin kommt es prinzipiell, wenn dieser mit kristallbildenden Mineralien übersättigt ist, ABER:

  • Kristalle in geringen Mengen sind normale Bestandteile des Urinsediments bei gesunden Hunden und Katzen, das heißt, das Vorhandensein von Kristallen im Urin lässt nicht direkt auf das Vorhandensein entsprechender Blasensteine schließen. Jedoch weist dies auf ein potenzielles Entstehungsrisiko hin.
  • Bei Hunden und Katzen, die vorberichtlich an Blasensteinen erkrankt sind, kann man mit Hilfe der Kristalle Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Blasensteine ziehen. Kristallart und Zusammensetzung des Blasensteins müssen nicht zwingend übereinstimmen. Verlässlich ist nur die Analyse der Steine selbst. Aber: Nicht alle Tiere, die Blasensteine haben, haben auch Kristalle im Urin.
  • Eine besondere Rolle spielt die Untersuchung auf Kristalle therapiebegleitend, wenn Steine durch entsprechende Diäten aufgelöst werden sollen oder bei vorbeugenden Maßnahmen im Anschluss an eine operative Entfernung von Blasensteinen.
  • Kristalle können auch durch die Lagerung von Urinproben entstehen. Die alleinige Feststellung von Urinkristallen rechtfertigt keine Therapie.

Es gibt verschiedene Arten von Kristallen, wobei auch mehrere verschiedene in einer Urinprobe auftreten können, zum Beispiel:

Struvit-Kristalle, "Tripelphosphate":

Bei Hunden und Katzen mit Blasensteinen. Struvitsteine sind die bei Hunden und Katzen am häufigsten auftretenden Blasensteine, z.B. bei Hunden und Katzen mit Harnwegsinfektionen. Sie können auch bei gesunden Hunden und Katzen auftreten.

Aussehen:
Farblose, sargdeckelähnliche Kristalle mit 3-6 Seiten und schrägen Enden

pH-Wert:
neutral bis alkalisch

Struvitkristalle lösen sich in saurem Urin auf.

Kalziumoxalat-Kristalle:

Vorkommen:
Bei Hunden und Katzen mit Blasensteinen, die vorwiegend aus Kalziumoxalat bestehen. Bei Hunden mit Ethylenglykolvergiftung (Ethylenglykol wird als Frostschutzmittel verwendet und aufgrund seines süßen Geschmacks immer wieder von Hunden aufgenommen). Diese Steine können auch bei gesunden Hunden und Katzen auftreten.

Aussehen:
Kleine, klare, farblose Oktaeder, "Briefumschläge"
(Kalziumoxalatdihydrat) Manchmal auch hantel- oder ringförmig oder sechsseitig (Kalziumoxalatmonohydrat)

pH-Wert:
sauer, neutral bis leicht alkalisch

Urat-Kristalle, Harnsäure-Kristalle:

Vorkommen:
Sie treten auf bei Hunden mit Pfortaderanomalien, bei Dalmatinern und Englischen Bulldoggen und bei Hunden und Katzen mit Uratsteinen. Sie sind selten bei gesunden Hunden und Katzen. [strong]

Aussehen:
Ammoniumurat: Kugelförmige braune oder gelbbraune Körperchen teils mit langen Vorsprüngen ("Stechapfelform"). Typisch sind auch diamantförmige oder rhombische Plättchen, die konzentrische Ringe enthalten können.
Natriumurat: farblose bis gelbliche Nadeln.

Sie können einzeln oder als Aggregate zusammengesetzt auftreten.

pH-Wert:
leicht sauer, neutral oder alkalisch

Zystin-Kristalle:

Vorkommen:
Bei Hunden mit genetisch bedingter vermehrter Ausscheidung der Aminosäure Zystin. Häufig bilden sich bei diesen Hunden auch Zystinsteine in der Harnblase.

Aussehen:
Farblos, sechseckig, häufig in Schichten übereinander gelagert.

pH-Wert:
sauer

Xanthin-Kristalle:

Vorkommen:
Bei Hunden nach Verabreichung von Allopurinol (Langzeittherapie bei Leishmaniose). Sie können bei gesunden Katzen vorkommen.

Aussehen:
Gelbbraune Kügelchen; von einigen Uratkristallen kaum zu unterscheiden.

Faktoren, die die Bildung von Kristallen beeinflussen:

1. Im Organismus

  • der pH-Wert des Urins
  • die Ernährung
  • die Trinkwasseraufnahme
  • (angeborene) Stoffwechselerkrankungen
  • Medikamente (zum Beispiel Sulfonamide)

2. Bei der Lagerung der Probe

  • Umgebungstemperatur
  • Dauer der Lagerung
  • Vorgehen der Probenaufbereitung, zum Beispiel Zentrifugation

 

Mikroskopie – 2

Mikroskopie: Mikroorganismen

Bakterien

Bakterien können einzeln oder als Ketten vorliegen. Bakterien im Urin, der durch Zystozentese gewonnen wurde, deuten immer auf eine Harnwegsinfektion hin. Als weiterführende Untersuchungen sind das Anlegen einer Urinkultur und Antibiotikaresistenztest angezeigt.

Hefen

Sie bestehen aus ovalen bis runden Zellen mit doppelbrechender Wandstruktur. Sie ähneln Erythrozyten, zeigen aber häufig charakteristische Sprossformen. Sie sind meist Zeichen einer Verunreinigung der Probe.

Bei Patienten mit chronischen Harnwegsinfektionen und längerer antibiotischer Therapie können Hefen (z.B. Candida albicans) auch als Infektionskeime vorkommen.

Pilze

Pilze erkennt man an typischen fadenförmigen Zellen, so genannte "Hyphen", die durch Querwände (Septen) unterteilt sein können. Sie kommen vor bei Patienten mit allgemeinen Pilzerkrankungen, bei denen die Harnwege (insbesondere die Nieren) mit betroffen sind.

Mikroskopie: Artefakte u. Verunreinigungen

Zu den häufigsten Artefakten und Verunreinigungen gehören:

  • Luftblasen
  • Öltröpfchen aus Schmiermitteln
  • Haare
  • Kot
  • Spermien

 

Befunde

Zusammenfassung: normale und auffällige Befunde

Normaler Urin:
  • Wenige Erythrozyten
  • Wenige Leukozyten
  • Wenige Epithelien
  • Wenige Zylinder
  • Verschiedene Kristalle
  • Artefakte und Verunreinigungen
Auffällige Befunde:
  • Mehr als wenige Erythrozyten
  • Mehr als wenige Leukozyten
  • Neoplastische Epithelzellen
  • Mehr als wenige Zylinder
  • Auftreten von Kristallen in großer Zahl
  • Mikroorganismen

 

Fehlerquellen

Mögliche Fehlerquellen

Das Ergebnis einer Urinuntersuchung wird von vielen äußeren Faktoren beeinflusst, zum Beispiel:

  • Urinsammelmethode
  • Aufbewahrung der Probe
  • Volumen des zentrifugierten Harns
  • Zentrifugationsgeschwindigkeit und -dauer
  • Volumen des Urins, in dem das Sediment resuspendiert wird, und die Gründlichkeit der Vermischung
  • Die Größe des auf den Objektträger aufgebrachten Tropfens
  • Unterschiedliche Methoden des Anfärbens
  • Erfahrung der untersuchenden Person

Es ist daher wichtig, nach einer standardisierten Methode vorzugehen, um Ergebnisschwankungen zu minimieren.

  • Falls eine Untersuchung nicht innerhalb von 30 Minuten nach der Probengewinnung durchgeführt werden kann, sollte die Probe gekühlt werden. Vor der Analyse muss diese auf Raumtemperatur angewärmt werden.
  • Saubere Sammelbehälter sind obligat. Reinigungsmittelrückstände können die Probe verändern.
  • Urinproben sollten sofort eindeutig gekennzeichnet werden.
  • Untersuchungsergebnisse sollten sofort dokumentiert werden.
  • Bei zweifelhaften Ergebnissen sollte die Untersuchung wiederholt werden.

Je häufiger Harnanalysen in der Praxis durchgeführt werden, desto sicherer und zuverlässiger werden die Ergebnisse!

 

Probenversand

Tipps zum Probenversand

  • Beim Transport von medizinischen Proben müssen die so genannten "Gefahrgutbestimmungen" berücksichtigt werden.
  • Die meisten Proben werden durch laboreigene Kurierdienste transportiert.
  • Probengefäße und Verpackungen, die den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, werden generell von den Labors zur Verfügung gestellt.
  • Harnproben sollten in sterilen Röhrchen mit Schraubdeckelverschluss versendet werden. Harnproben, die bakteriologisch untersucht werden (möglichst durch Zystozentese gewonnene Probe!), sollten in speziellen Eintauchmedien transportiert werden: nur so kann eine Vermehrung der Bakterien verhindert und der Status bei der Entnahme des Urins wiedergegeben werden.
  • Glasgefäße (Bruchgefahr!) und Spritzen mit aufgesetzten Kanülen (Verletzungsgefahr!) sind ungeeignet.
  • Der so genannte Primärbehälter, der die Probe enthält, muss in ein "Sekundärgefäß", das mit einem Aufsaugvlies ausgestattet ist. Beide Behälter kommen dann in die "Außenverpackung".

Die Probe muss eindeutig gekennzeichnet sein:

  • Der Absender muss mit Adresse und Telefonnummer auf der Außenverpackung angegeben sein
  • Die Probe muss als medizinisches Untersuchungsmaterial gekennzeichnet sein.
  • Die Probe muss als ansteckungsgefährdetes Material gekennzeichnet sein.

Im Fall von Transportschäden kann es bei Nichtbeachtung dieser Vorschriften zu Regressansprüchen kommen.

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Hund Katze Krankheiten Niere
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