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Mykoplasmen

Mycoplasma-Infektionen sind beim Geflügel weltweit verbreitet und können erhebliche wirtschaftliche Verluste durch eine erhöhte Embryonalsterblichkeit, Entwicklungsstörungen der Jungtiere, Qualitätsminderung des Fleisches und Legeleistungsminderungen bei Legehennen verursachen. Gerade in Legehennenbetrieben ist die Inzidenz weltweit sehr hoch. Der wirtschaftlich bedeutendste Erreger ist Mycoplasma gallisepticum. Infektionen mit Mycoplasma gallisepticum werden auch dem Komplex der chronischen respiratorischen Erkrankungen (CRD) zugeordnet.

Erreger

Die aviäre Mycoplasmose kann durch verschiedene Arten von Mycoplasma verursacht werden, wobei Mycoplasma gallisepticum der wichtigste Erreger ist. Bakterien der Gattung Mycoplasma haben keine Zellwand, sondern sind nur von einer dreischichtigen Zellmembran umgeben und somit unempfindlich gegenüber vielen Antibiotika. Sie zeigen jedoch eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Desinfektionsmitteln, Hitze, Sonnenlicht und anderen Faktoren. Außerhalb des Huhns bleiben Mykoplasmen daher nur bis zu drei Tage infektiös. Bedingt durch das Fehlen einer starren Zellwand treten die Mykoplasmen in unterschiedlichen Formen auf, die von kugelförmig bis birnenförmig reichen. Die Mycoplasma-Stämme variieren stark in ihrer Pathogenität bei verschiedenen Vogelarten.

Übertragung und Epidemiologie

Die Übertragung von Mycoplasma gallisepticum erfolgt entweder horizontal von Tier zu Tier, oder vertikal von den Elterntieren auf das Ei. Aber auch eine aerogene Verbreitung über kurze Distanzen ist möglich, und sogar meist verantwortlich für eine Übertragung innerhalb verschiedener Gruppen eines Bestandes.

Infizierte Vögel können ein Leben lang latent infiziert bleiben und zur Erregerübertragung beitragen. In großen Herden kann Mycoplasma gallisepticum entsprechend schnell endemisch werden. Zum Krankheitsausbruch latent infizierter Tiere kann es kommen, wenn bestimmte Stressoren, wie zusätzliche virale Infektionen, Impfungen mit Lebendimpfstoffen und auch kaltes Wetter vorhanden sind. Da in einer Herde latent infizierte Tiere oft lange Zeit unentdeckt bleiben und sich der Erreger so ungehindert innerhalb des Betriebes verbreiten kann, ist eine Erregerbeseitigung vor allem in Betrieben mit unterschiedlichen Tieraltersklassen schwierig.

Die Erregereinschleppung in einen Bestand erfolgt meist durch neu eingestallte Vögel und deren Bruteier.

Die Inkubationszeit beträgt etwa 3-10 Tage. Eine Infektion mit Mycoplasma gallisepticum kann Tiere jeden Alters betreffen und tritt nicht nur bei Hühnern auf, sondern auch bei Puten und vielen anderen Vogelarten.

Klinisches Erscheinungsbild

Der klinische Verlauf einer Mycoplasma gallisepticum Monoinfektion verläuft eher chronisch und mild, kommt jedoch selten vor. Erwachsene Tiere erkranken nicht so schwer wie junge Tiere. Schwerwiegende Krankheitsverläufe treten auf, wenn die Tiere gleichzeitig mit Sekundärerregern, wie zum Beispiel Newcastle Disease-Virus, infektiösem Bronchitis-Virus und E. coli-Bakterien infiziert sind.

Symptome sind Augen- und Nasenausfluss, Niesen, Husten, Dyspnoe, Kopfschleudern und auch Kopfschwellungen, sowie rasselnde Atemgeräusche. Die Morbidität bei Puten ist hoch. Bei Puten zeigt sich meist eine Sinusitis und Konjunktivitis mit schaumigem Augenexsudat Diese Symptome lassen sich bei Hühnern eher selten beobachten. Auch die Gelenke, Sehnenscheiden und der Genitaltrakt können betroffen sein. Vor allem beim Vorliegen von ZNS-Symptomen wird das Krankheitsbild dem Komplex der chronic respiratory disease (CRD) zugeordnet.

Insgesamt zeigen sich bei infizierten Herden eine deutlich reduzierte Gewichtszunahme, sowie ein Rückgang der Legeleistung, als Hauptursachen für wirtschaftliche Verluste.

Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose kann bei Erkrankungen der oberen Atemwege gestellt werden.

Die Kultivierung des Erregers benötigt spezielle Mycoplasma-Medien und ist damit schwierig und langwierig. Dabei zeigen sich Kolonien von kleinen, runden, glatten und transparenten Bakterien. Dazu werden Trachealtupferproben ausgewertet. Eine spezifische Identifizierung des Erregers gelingt mit PCR, ist jedoch aufwendig und bleibt meist Speziallabors vorbehalten.

Bei verendeten Tieren kann eine Diagnose bei der Sektion erhärtet werden, indem Gewebeproben aus den Luftsäcken, den Nasennebenhöhlen oder dem Sinus infraorbitalis entnommen und histologisch untersucht werden. Darüber hinaus kann Mycoplasma gallisepticum aus toten Hühnerembryonen kultiviert werden.

Auch ein Antikörpernachweis ist möglich. Hierzu stehen kommerzielle ELISA oder Agglutinationstests zu Verfügung. Allerdings sind auch bei gesunden Tieren positive Testergebnisse nicht selten.

Prophylaxe

Die Eradikation des Erregers ist vor allem in solchen Legebetrieben schwierig, in denen die Infektionskette durch das permanente Nebeneinander von Legehennen verschiedener Altersgruppen (multiple-age) nicht unterbrochen werden kann.

In „single-age“-Betrieben ist aufgrund der nur kurzen Überlebenszeit vom Mycoplasma gallisepticum ist eine Bestandssanierung mit einem strengen Rein-Raus-Management unter Einhaltung einer Wartezeit von etwa zwei Wochen vor Neubelegung möglich. Während der Wartezeit empfiehlt sich eine gründliche Reinigung und Desinfektion der Ställe, wobei unter anderem Phenol- oder Kresolsäure als Desinfektionsmittel verwendet werden können (DVG-Liste).

Eine Minderung wirtschaftlicher Verluste durch eine Mycoplasma gallisepticum-assozierte Legeleistungsminderung und schlechtere Futterverwertung ist durch Vakzination der Junghennen vor der Umstallung in infizierte Betriebe möglich. Geimpfte Legehennen werden nicht vor der Infektion geschützt, sind jedoch deutlich weniger von einer Mycoplasma gallisepticum bedingten Leistungsminderung betroffen.

Therapie

Therapeutisch können Antibiotika eingesetzt werden. Sinnvoll erscheint der Einsatz von Antibiotika vor allem bei Verdacht auf Vorliegen von bakteriellen Sekundärinfektionen. Auf Grund ihrer Wandstruktur sind Mycoplasmen sehr empfindlich gegenüber oberflächenwirksamen und lipolytischen Stoffen. Wirkstoffgruppen mit diesen Eigenschaften sind Tetracycline und Gyrasehemmer. Aus der Gruppe der Gyrasehemmer sind auch orale Formulierungen für Hühner und Puten zugelassen, die zudem auch gute Wirkung gegen die typischerweise mit Mycoplasmen assoziierten Sekundärinfektionen aufweisen. Zusätzlich zu antibiotischen Therapie sollten immer auch die oben erwähnten Haltungs- und Hygienemanagement Verbesserungen zum Einsatz kommen.

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