Krankheiten
Innere Medizin

Harnapparat bei Hunden und Katzen

Der Harnapparat steht im Dienste der Exkretion.

Harnapparatserkrankungen können je nach Lokalisation der Störung zu Symptomen von Seiten der Nieren, der ableitenden Harnwege oder von Nieren und Harnwegen führen.

Die Ursachen können primär im Harnapparat liegen = primäre Harnapparatserkrankungen oder sie können als systemische oder Organkrankheiten außerhalb des Harnapparates liegen und diesen sekundär in Mitleidenschaft ziehen = sekundäre Harnapparatserkrankungen (z.B. bei Infektionen, Schock oder Prostataerkrankungen).

Da die Niere und deren Erkrankungen ein sehr umfangreiches Thema sind, haben wir diese als gesonderte Seite aufgeführt. In diesem Kapitel finden sich hierzu nur grundlegende Informationen.

Anatomie und Funktion

Zu den Harnorganen gehören die harnbereitenden bwz. harnabsondernden Nieren (Renes) und die harnableitenden Wege, bestehend aus dem Nierenbecken (Pelvis renalis), dem Harnleiter (Ureter), der Harnblase (Vesica urinaria) und der Harnröhre (Urethra).

Niere

Die Nieren produzieren Harn und nehmen damit als multifunktionelle Regulationsorgane eine zentrale Stellung im Gesamtkreislaufgeschehen eines Organismus ein.

Anatomisch ist die Niere von außen nach innen aus folgenden Schichten aufgebaut:

Nierenkapsel - Nierenrinde - Nierenmark - Nierenkelche – Nierenbecken

Im Bereich des nabelähnlichen Einzugs, dem so genannten Hilus, befinden sich zu- und abführende Blutgefäße, Nerven und der Harnleiter, der den Urin zur Harnblase transportiert.

Der "Feinbau" ist unterteilt in die harnbereitenden Anteile (Glomerulum, Bowmansche Kapsel, Kanälchen) und die harnableitenden Sammelrohre.

Nieren sind Hochleistungsorgane. Sie sind sehr stark durchblutet: 1 /4 der Gesamtmenge des Blutes, das bei jedem Herzschlag das Herz verlässt, wird direkt zur Niere geleitet.

Für den Menschen hat man errechnet, dass bei einer Tagesproduktion von 1,5 L Harn, 1500 L Blut die Nieren durchströmen müssen.

Nierenbecken

Der erste Abschnitt der harnableitenden Wege ist das Nierenbecken (Pelvis renalis). Dieses ist in eine große Bucht des Nierengewebes eingebaut.

Das Nierenbecken ist weitgehend ausgefüllt von der Nierenpapille, auf deren Spitze die Sammelrohre münden (Ductus papillares). Seitlich der Papille sind bis zu 8-10 Schleimhautbuchten angefügt, die sich tief in das Nierengewebe erstrecken.

Das Nierenbecken verjüngt sich nach medial trichterförmig und geht schließlich ohne erkennbare Grenze in den Harnleiter über.

Durch die glatte Muskulatur in der Wand des Nierenbeckens ist dieses in der Lage den Harn in den Harnleiter zu treiben. Diese peristaltischen Wellen, die von einem Schrittmacher im Nierenbecken ausgehen, setzen sich auf den Harnleiter fort.

Harnleiter

Der Harnleiter (Ureter) transportiert den Harn aus dem Nierenbecken in die Harnblase. Dies geschieht über peristaltische Wellen, die auch in der Röntgenkontrastdarstellung sichtbar werden.

Aufgrund dieser aktiven Transportleistung wird klar, dass auch im Harnleiter unter der Schleimhaut eine entsprechende Muskelschicht vorhanden ist. Diese weist eine innere und äußere Längsschicht auf, die von einer mittleren, zirkulären Schicht ergänzt wird. Die Schleimhaut ist bei Kontraktion der Muskulatur in Falten gelegt und hilft so das Lumen abschnittsweise zu verschließen, indem sich die Schleimhautfalten polsterartig aneinander legen können.

Verlauf

Anfänglich ist der Harnleiter quer zur Körperachse gerichtet und verläuft schließlich parallel zu den großen Bauchgefäßen (Aorta abdominalis, Vena cava caudalis). Er liegt dorsal in der Bauchhöhle, direkt unter der inneren Lendenmuskulatur. Am Beckeneingang schwenkt der Harnleiter nach medial und ventral auf den Harnblasenhals zu. Dort durchbohrt er zunächst die Schichten der Harnblasenwand bis auf die Schleimhaut. Erst nach einem kurzen Verlauf zwischen Muskelschicht und Schleimhaut mündet der Harnleiter in einer schlitzförmigen Öffnung in der Nähe des Harnblasenhalses.

Dieser eigentümliche Verlauf wirkt wie ein Rückschlagventil, da bei einer Drucksteigerung in der Harnblase - z. B. beim Harnabsatz - die Wand des Harnleiters auf seinem kurzen Endstück gegen die außen liegende Muskulatur der Harnblase gedrückt wird. Auf diese Weise wird ein aufsteigender Rückfluss in Richtung Nieren verhindert.

Harnblase

Die Harnblase (Vesica urinaria) liegt je nach Füllungszustand mehr oder weniger weit vor dem Schambeinkamm. Sie ist eiförmig gestaltet mit einem Harnblasenkörper und einem Harnblasenhals.

Aufbau Aussen:

Die Harnblase ist von Bauchfell überzogen, unter dem sich eine kräftige Muskelschicht befindet. Diese ist mehr oder weniger deutlich dreischichtig, wobei Muskelzüge aus einer Schicht in die benachbarte Lage wechseln und dabei entsprechend die Richtung ändern. Dadurch kommt es zu einer Durchflechtung der verschiedenen Muskelschichten, die eine bestmögliche Anpassung an unterschiedliche Füllungszustände mit einer gleichmäßigen Dehnung der Wand möglich machen.

Beim Harnabsatz  wird die Harnblase entsprechend allseitig verkleinert und optimal entleert. Die Muskulatur der Harnblase erscheint äußerlich einheitlich, sie weist jedoch funktionelle Unterschiede auf. So wird die Muskulatur am Harnblasenkörper auch als M. detrusor vesicae ("Entleerer der Harnblase"), diejenige am Harnblasenhals auch als M. sphincter vesicae ("Schließmuskel der Harnblase") bezeichnet.
Neben dem glattmuskulären Sphinkter wirkt der quergestreifte Musculus urethralis als zweites wesentliches Element beim Harnblasenverschluss mit.

Aufbau Innen:

Die Innenauskleidung der Harnblase erfolgt wie schon bei den anderen Abschnitten der harnableitenden Wege mit einem speziellen Übergangsepithel, das sich extremen Füllungsunterschieden gut anpassen kann und dadurch verhindert, dass Stoffe aus dem konzentrierten Urin durch die Schleimhaut wieder in die Blutbahn geraten können.

Harnröhre

Die relativ kurze Harnröhre (Urethra) weiblicher Tiere mündet an der Grenze zwischen Scheide (Vagina) und Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae). Sie ist ausgekleidet von einer Schleimhaut und umgeben von glatter und quergestreifter Muskulatur.

Besonderheit Kater:

Beim Kater gibt es mehrere anatomische Besonderheiten, die beim so genannten Felinen Urologischen Syndrom (FUS, siehe FLUTI = Feline Lower Urinary Tract Infection) zur Verlegung der Harnröhre führen können.

  • In die Harnröhre des Katers münden kurz nach dem Harnblasenhals die beiden Samenleiter (Ductus deferentes) und die Prostata. Hier befindet sich die erste Engstelle.
  • Kurz vor dem Beckenausgang liegt die Harnröhrenzwiebeldrüse (Glandula bulbourethralis) auf der Harnröhre auf.
  • Ausserhalb des Beckens ist die Urethra von den Penisschwellkörpern umschlossen.
  • Die Harnröhre wird zur Penisspitze hin enger, sie verjüngt sich bis auf 1 mm an der Eichelspitze.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass der Kater einen 5-7 mm langen Penisknochen besitzt, der die Dehnungsfähigkeit der Harnröhre im Bereich der Eichel einschränkt. Daher kann es auch in diesem Bereich immer wieder vorkommen, dass Harnkonkremente die Harnröhre komplett verlegen und den Harnabsatz massivst behindern.
    Diese Situation ist ein akuter Notfall für das betroffene Tier.

 

Hormonelle Regelkreise

Antidiuretisches Hormon ADH

Dieses Peptidhormon wird im Hypothalamus gebildet und über den Hypophysenhinterlappen freigesetzt, wenn die Osmolarität im Blutplasma absinkt. Dadurch wird Wasser in der Niere verstärkt rückresorbiert. Die Ausschüttung des Hormons wird wieder gehemmt, wenn die Plasmaosmolarität wieder im Soll-Bereich ist.

Bei einem Mangel an ADH kommt es zur Ausscheidung von wenig konzentriertem Harn in großen Mengen (= Diabetes insipidus).

Aldosteron

Dieses Steroidhormon aus der Nebennierenrinde bewirkt eine verstärkte Natrium-Resorption und eine verstärkte Kalium-Ausscheidung. Es wird freigesetzt durch Angiotensin II (siehe unten). Seine Wirkung entfaltet Aldosteron im distalen Tubulus des Nephrons. Durch die vermehrte Rückresorption von Natrium wird sekundär auch Wasser im Körper zurückgehalten. Damit kommt es - weil Natrium sich im Körper überwiegend außerhalb der Zellen befindet - zu einer Zunahme des Extrazellulärvolumens.

Renin

Dieses Enzym stammt aus den epitheloiden Zellen des Vas afferens, es wird in die Blutbahn abgegeben und kann dort das Protein Angiotensinogen aus der Leber spalten.

Dadurch entsteht Angiotensin I im Blut, das bei der Passage durch verschiedene Organe, beispielsweise die Lunge, umgewandelt wird in Angiotensin II. Dieses ist die stärkste vasokonstriktorische Substanz im Körper und führt zu einer Blutdruckerhöhung, auch lokal in der Niere. Darüber hinaus führt Angiotensin II zur Ausschüttung von Aldosteron in der Niere.

Erkrankungen

Bakterielle Harnwegsinfektionen

Bakterielle Infektionen der Harnwege sind bei Hunden häufiger anzutreffen als bei Katzen, dabei sind Hündinnen davon stärker betroffen als Rüden.
In der Regel wird gut auf eine antibiotische Therapie angesprochen.

Harnwegsinfektionen sollten unabhängig vom Vorliegen von Symptomen therapiert werden, weil es sonst zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann. Dazu zählen u.a. Pyelonephritis, Prostatitis, Harnsteine, Septikämie. Obwohl Entzündungen der unteren Harnwege bei Katzen (LUTI, Lower Urinary Tract Inflammation) häufig auftreten, sind weniger als 2 % der Entzündungen durch primäre Infektionen verursacht.

Bestehen keine strukturellen oder funktionellen Defizite der Infektionabwehr des Tieres, so verlaufen die Infektionen des Harntraktes in der Regel komplikationslos. Durch entsprechende antibiotische Therapie sind die Erreger eliminierbar.

Ätiologie

Bei Hunden sind E. coli, Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken, Enterobacter, Proteus, Klebsiellen und Pseudomonas [strong] die wichtigsten Erreger von Infektionen des Harnapparates. Manchmal werden bei Hunden bei Harnwegsinfektionen auch Mykoplasmen nachgewiesen.

An den meisten bakteriellen Infektionen ist nur eine Bakterienspezies beteiligt, bei 20 bis 30 % der Harnwegsinfektionen liegen jedoch Mischinfektionen (mehr als 2 isolierte Erreger) vor.

Die meisten Entzündungen des Urogenitaltraktes werden bei Hunden durch Bakterien der intestinalen und kutanen Flora ausgelöst, die über die Urethra in die Harnblase aufsteigen. Anaerobier werden bei Infektionen des Harntraktes eher selten angetroffen.

Virulenz und Anzahl der eindringenden Bakterien sind zwei entscheidende Faktoren für die Manifestation einer Harnwegsinfektion. 

Klinik

Häufige Symptome sind

Pollakisurie,

Strangurie oder

Dysurie,

mikroskopische oder makroskopische Hämaturie.

Klinische Symptome einer durch Mykoplasmen hervorgerufenen Zystitis können Hämaturie, Pollakisurie/Strangurie, Inkontinenz, Polydipsie/Polyurie und Fieber sein. Da Mykoplasmen im Urin gesunder Hunde nachgewiesen wurden, ist es nicht sicher, ob Mykoplasmen primäre Auslöser einer Harnwegsinfektion sind.

Diagnose

Harnwegsinfektionen können nur durch eine gründliche Harnanalyse und/oder Kultur einer steril gewonnenen Harnprobe, wobei die Zystozentese die beste Methode ist, nachgewiesen werden. Nach der Gewinnung der Probe sollte diese innerhalb von 15 Minten untersucht oder alternativ im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Häufige Urinbefunde sind Bakteriurie, Hämaturie, Pyurie, vermehrte Anzahl von Übergangsepithelzellen im Urinsediment. Zusätzlich können eine erhöhte Protein-Urinkonzentration und ein alkalischer pH-Wert festgestellt werden. Proteine, Ketone, Bilirubin und das spezifische Gewicht werden ebenfalls bestimmt.
Das Sediment der Harnprobe wird auf Kristalle, Zellen und Bakterien (Gram-Färbung) untersucht.

Zur Identifizierung pathogener Keime, vor allem wenn der Patient immunsupprimiert ist (z.B. Cushing Syndrom), sollte immer eine Kultur angelegt werden. Kommerzielle Leukozytenesterase-Teststreifen sind nicht zuverlässig; dies gilt auch für Teststreifen mit einem Nitratfeld zum Nachweis von nitratreduzierenden Bakterien. Dieser Nachweis funktioniert nicht bei Hund und Katze (s. Seiten "Niere", Unterkapitel Harnuntersuchung).

Therapie

Bakterielle Harnwegsinfektionen werden meist durch eine Bakterienspezies verursacht. Idealerweise sollte zur Wahl des Antibiotikums eine Kultur angelegt und ein Resistenztest durchgeführt werden. Wenn kein Bakteriennachweis erfolgt ist, so kann ein geeignetes Antibiotikum aufgrund der resultierenden Gram-Färbung gewählt werden (Amoxicillin, Amoxicillin-Clavulansäure bei Gram-positiven Erregern und Enrofloxacin oder Trimethoprim-Sulfonamid bei Gram-negativen Erregern).

Bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen muß in der Regel 14 Tage, bei komplizierten Harnwegsinfektionen 4 bis 6 Wochen lang therapiert werden.
Ob das richtige Antibiotikum verwendet wurde, kann nach 3-5 Tagen durch weitere bakteriologische Urinuntersuchungen kontrolliert werden. Der Urin sollte dann steril sein, wobei das Urinsediment zu diesem Zeitpunkt noch pathologische Veränderungen aufweisen kann.

Empfehlenswerte Therapieschritte

Folgende Therapieschritte sind empfehlenswert

1. Diagnosestellung unter Berücksichtigung von Vorbericht, Harnsediment, bakteriologischer Untersuchung mit Resistenztest

2. Auswahl des Antibiotikums

3. 3-5 Tage nach Therapiebeginn bakteriologische Untersuchung des Urins wiederholen, um Wirksamkeit des Antibiotikums zu überprüfen

4. Untersuchung des Urinsedimentes 3-5 Tage vor dem Absetzen der Antibiotikatherapie

5. Bei wiederkehrenden Infektionen sollen prädisponierende Faktoren abgeklärt werden: vollständiges Blutbild und Serumprofil, Röntgenkontrast- und Ultraschalluntersuchung.

6. Bei häufigen Reinfektionen kann eine prophylaktische, niedrig dosierte Antibiotikatherapie nötig sein.

Mögliche Gründe für ausbleibenden Therapieerfolg

Mögliche Gründe für ausbleibenden Therapieerfolg sind

  • die Verwendung nicht wirksamer Antibiotika,
  • nicht ausreichende Behandlungszeit,
  • mangelnde Therapietreue des Besitzers,
  • eingeschränkte enterale Wirkstoffresorption,
  • Entwicklung von Resistenzen,
  • iatrogene Reinfektion nach Katheterisieren.  

7. Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen sollten durchgeführt werden, um bei ausbleibendem Therapieerfolg anatomische Veränderungen, Schleimhautschädigungen und Urolithen festzustellen.

8. Bei Rüden können zur Feststellung einer bakteriellen Prostatitis Sperma und Prostataspülprobe zytologisch und bakteriologisch untersucht werden. Eine sonografische Untersuchung der Prostata ist zudem anzuraten. Es sollte auch an ein ansonsten asymptomatischer Hyperadrenokortizismus gedacht werden,wenn Leukopenie besteht und Erythrozyten im Sediment nachweisbar sind.

9. Weitere Erkrankungen?

10. Es ist wichtig, neben der Infektion der Harnwege auch weitere Erkrankungen zu identifizieren, wie z.B. Defekte/Schwächen des Immunsystems, Diabetes mellitus, chronisches Nierenversagen, Urolithiasis, Pyodermie, Inkontinenz.

11. Patienten mit Verdacht auf Pyelonephritis sollten mindestens 4-8 Wochen behandelt werden. Obwohl die antibiotische Therapie die Grundlage der Therapie bei Erkrankungen der Hanwege ist, ist der Immunstatus des Tieres ein wichtiger prognostischer Faktor.

Prognose

Bei unkomplizierten Infektionen ist die Prognose sehr gut.

Für ein Tier mit komplizierter Harnwegsinfektion ist die Prognose immer vorsichtig zu stellen. Werden prädisponierende Faktoren nicht erkannt und behandelt, so ist mit Rezidiven und Reinfektionen zu rechnen. Hier kann mit einer niedrig dosierten Langzeittherapie mit Antibiotika begonnen werden, wobei die Entwicklung von Resistenzen zu beachten ist.
Eine Ansäuerung des Urins ist zu empfehlen, da im sauren Milieu das Wachstum vieler Bakterien eingeschränkt wird. Bei starker Ansäuerung des Urins steigt allerdings das Risiko von Urat-, Oxalat-, Cystin- und Silicaturolithen, insbesondere beim Rüden, da diese beim sauren pH-Wert gering löslich sind.

Unterschied zwischen Rezidiv und Reinfektion

Rezidive werden von derselben Bakterienspezies wie die Primärinfektion verursacht und treten nach dem Absetzen der Therapie innerhalb weniger Wochen auf. Sie resultieren aus der Verwendung eines unangemessenen Antibiotikums oder der falschen Dosierung. Rezidivierende Harnwegsinfektionen sind zumeist mit einer höheren Antibiotikaresistenz assoziiert als die ursprüngliche Infektion.
Beim Rüden werden Rezidive durch chronische Prostatainfektionen begünstigt. Antibiotika, die bei Prostatainfektionen wirksam sind, müssen u.a. fettlöslich sein; Fluorchinolone zählen beispielsweise dazu.

Harnwegsinfektionen können auch durch Reinfektionen mit anderen Bakterienspezies ausgelöst werden. Das Auftreten von Reinfektionen durch weniger invasive Bakterien (Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Enterobacter cloacae) ist ein Anzeichen auf eine Schwächung der wirtseigenen Abwehrsysteme

FLUTI Katze

Entzündungen des unteren Harntraktes bei Katzen

Entzündungen des unteren Harntraktes bei Katzen (Feline Lower Urinary Tract Infections, FLUTI) ist durch Symptome wie Pollakisurie, Hämaturie, Strangurie/Dysurie, unerwünschter Urinabsatz, partielle oder vollständige Urethraobstruktion gekennzeichnet und wurde früher als FUS (Felines Urologisches Syndrom) bezeichnet.

FLUTI kann mit oder ohne Struvitkristallurie vorliegen. Katzen mit Struvitkristallen (Magnesiumammoniumphosphat, Tripelphosphat) zeigen makroskopisch Urolithiasis, Kristallurie ohne Obstruktion oder Urethraobstruktion mit struvithaltigem Schleimpfropfen.
Bei Katzen ohne Beteiligung von Struvit ist im Allgemeinen nur eine Entzündung der unteren Harnwege nachweisbar, wobei nur 2 % junger Katzen beider Gruppen von einer primären bakteriellen Infektion betroffen sind.

Ätiologie

Liegt eine bakterielle Infektion vor, so werden meist ureasebildende Staphylococcus spp. nachgewiesen.
Vor allem Stress spielt eine wichtige Rolle beim Auftreten der klinischen Symptome einer Harnwegsinfektion (Umzug, Reisen, Ausstellungen, kaltes Wetter, neue Tiere oder Babies im Haushalt).

Kater sind öfter von dem Verschluss der Urethra betroffen – viele Obstruktionen werden durch Schleim- oder Struvitpfropfen im Penisbereich der Harnröhre verursacht. Struvitassozierte Entzündungen der unteren Harnwege führen zu einer Schwächung der lokalen Immunantwort und ermöglichen es so den Bakterien, in die Blase oder Harnröhre einzuwandern und diese zu besiedeln. Der wichtigste prädisponierende Faktor für die Entwicklung einer bakteriellen Zystitis in Verbindung mit einer struvitinduzierten Entzündung ist die Katheterisierung der Harnröhre – insbesondere bei Verwendung von Verweilkathetern.

Struvit

Eine hohe Konzentration an kristallbildenden Salzen, hoher pH-Wert und lange Verweildauer in der Blase begünstigen die Entstehung von Struvitsteinen, die das Urothel verletzen können. Nutritive Faktoren, vor allem ein hoher Magnesiumgehalt und Adipositas haben Einfluß auf die Bildung von Struvitsteinen. Struvitsteine werden vor allem bei jungen Katzen zwischen 1 und 2 Jahren festgestellt. Struviturolithen entstehen – im Gegensatz zum Hund – in sterilem Urin.

Bilder können Sie unter dem Kapitel "Niere", Unterkapitel "Harnuntersuchung, Mikroskopie Kristalle" finden.

Calcimoxalat-Kristalle und Urat-Kristalle

Calcimoxalat-Kristalle und Urat-Kristalle können darüber hinaus eine FLUTI auslösen. Calciumoxalate werden immer mehr gefunden – dies hängt mit der Verbreitung von ansäuernden Diäten zusammen. Geringere Urinmengen und Häufigkeit des Harnabsatzes bedingen eine struvit- oder nichtstruvitassoziierte FLUTI.

Bilder hierzu können Sie im Kapitel "Niere", Unterkapitel "Harnunterschung, Mikroskopie: Kristalle" finden.

Klinik

Die klinischen Symptome variieren je nach Krankheitsbild (Zystitis/Urethritis oder Obstruktion der Urethra).

Bei Katzen ohne Obstruktion können Hämaturie, Pollaskurie, Dysurie/Strangurie, Schmerzäußerung, Lecken am Genital, Urinieren an unerwünschten Orten wie Spülbecken oder Badewanne auftreten.

Bei Katern mit Harnröhrenobstruktion sind die Symptome von der Dauer des Verschlusses abhängig. Wird die Obstruktion nicht innerhalb von 36 bis 48 Stunden behoben, so treten die Symptome einer postrenalen Azotämie auf: Anorexie, Vomitus, Dehydratation, Störung des Allgemeinbefindens, Schwäche, Stupor, Hypothermie, Azidose oder plötzliche Todesfälle.
Eine Obstruktion verursacht immer Schmerzen im kaudalen Abdomen. Die Blase ist geschwollen und überdehnt und schlecht oder gar nicht auszudrücken. Es ist bei der Manipulation dieser Blase Vorsicht geboten, weil Rupturgefahr besteht. Bei Katern kann der Penis verstopft sein und aus dem Präputium hervorstehen.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt anhand des Vorberichtes und der klinischen Untersuchung. Röntgenaufnahmen (Leeraufnahme und Doppelkontrast-Zystographie), Ultraschalluntersuchungen und bakterielle Urinuntersuchungen sowie die Zystoskopie sind bedeutsame diagnostische Teilschritte.

Therapie

Katzen ohne Obstruktion der Harnwege

Die Therapie richtet sich nach den Symptomen. Es muß jedoch bedacht werden, dass 95 % der jungen Katzen eine FLUTI mit sterilem Urin aufweisen.

Bei Struviturolithen und alkalischem pH-Wert: magnesiumreduzierte und angesäuerte Diät initial für 2 Monate, die einen pH-Wert < 6,4 einstellt. In der Regel ist keine lebenslange struvitverhindernde Diät erforderlich!

Bei Pyrurie und Bakteriurie: bakteriologische Urinuntersuchung, Resistenztest und gezielte Auswahl des Antibiotikums.

Frisches Wasser ad libitum und frisch gereinigte Toilette sind ein Muß!

Eine Antibiose (Resistenztest) sollte während der gesamten Phase der steinauflösenden Diät verabreicht werden. Sind keine Urolithen mehr nachweisbar, so empfiehlt es sich, die Diät noch weitere 30 Tage zu verfüttern.
Wird durch diese Diäten der gewünschte pH-Wert zwischen 6.2 und 6.4 nicht erzielt, so können zusätzlich harnsäuernde Substanzen wie Ammoniumchlorid oder alternativ Methionin verabreicht werden

Katzen mit Obstruktion der Harnwege

Wie dringend eine Obstruktion der Harnwege beseitigt werden muss, hängt von der körperlichen Verfassung der Katze ab. Tiere, die aufmerksam sind und ohne Verdacht auf eine postrenale Azotämie können für eine Katheterisierung sediert werden.
Ist hingegen das Allgemeinbefinden schlecht, so sollte unverzüglich die Kalium-, Harnstoff- und Kreatininkonzentration im Serum bestimmt oder ein EKG angefertigt werden, um das Ausmaß der Hyperkaliämie richtig einschätzen zu können. Ist eine Infusionsbehandlung angezeigt, dann eignen sich dazu Infusionen mit 0,9 %-iger Kochsalzlösung.

Behebung der Obstruktion: Bei manchen Katzen ist es möglich, den Verschluss der Harnröhre durch eine Massage des Penis und vorsichtiges Ausdrücken der Blase zu beheben. Mit gut gleitfähig gemachten Blasenkathetern kann versucht werden, Harnröhrenpfropfen mit steriler isotonischer Kochsalzlösung in die Blase zurückzuspülen. Unter Umständen muss vorher eine Verringerung des intravesikulären Drucks durchgeführt werden, z.B. durch eine Zystozentese. Bei Katzen mit einer Azotämie ist eine Infusionstherapie indiziert.

Eine perianale Urethrostomie ist als Notfallmassnahme bei einer Urethtraobstruktion nur in seltenen Fällen notwendig.

Das Fütterungsmanagement bei Katzen nach einer struvitinduzierten Obstruktion der Harnwege ist ähnlich dem bei Katzen mit Struvitkristallen ohne Obstruktion – es sollten magensiumarme, ansäuernde Diäten verwendet werden. Der pH-Wert sollte 4-8 Stunden nach der Mahlzeit 6,4 oder weniger betragen.

Wichtig ist die Langzeitüberwachung dieser Tiere durch die Tierbesitzer – ein exzessives Scharren in der Katzentoilette sollte bei Katern, die einmal eine Urethraobstruktion hatten, ein Alarmzeichen sein. Nach Katheterisieren (5-7 Tage danach) sollte eine Harnanalyse und bakteriologische Urinuntersuchung durchgeführt werden. Infektionen des Harntraktes sind häufige Folge des Katheterisierens.

Prognose

Kater mit rezidivierenden Harnröhrenobstruktionen haben eine vorsichtige Prognose, bei rezidivierender FLUTI ohne Obstruktion ist die Prognose günstig bis gut.

Prostataerkrankungen

Die Prostata kann von einer Reihe von Krankheiten betroffen sein, wobei am häufigsten die benigne Hyperplasie, akute und chronische bakterielle Prostatitis /Prostataabszess und Neoplasien, zumeist Adenokarzinome, sind.

Ätiologie und Einteilung

  • Benigne Prostathyperplasie: Bei unkastrierten Rüden unterliegt die Prostata mit zunehmendem Alter einer physiologischen Hyperplasie. Dadurch wird eine Prädisposition für eine bakterielle Prostatitis geschaffen.
  • Akute bakterielle Prostatitis ist oft schmerzhaft und geht mit urethralem Ausfluss und einer Prostatavergrößerung einher.
  • Chronische bakterielle Prostatitis: Diese ist in der Regel nicht schmerzhaft und geht selten mit systemischen Krankheitssymptomen einher. Sie ist oft durch rezidivierende Harnwegsinfektionen gekennzeichnet.
  • Intra- und paraprostatische Zysten enthalten Prostatasekret. Aufsteigende Infektionen können zu rezidivierenden Harnweginfektionen führen, oder es entwickelt sich eine schwere lebensbedrohliche Prostatits/Prostataabszess.
  • Prostatadenokarzinom ist die häufigste Neoplasie beim Hund. Sie wachsen lokal invasiv und metastasieren in die sublumbalen Lymphknoten. Sie treten bei kastrierten und unkastrierten Rüden gleichermaßen auf.

Klinik

Es ist ein Tenesmus  zu beobachten, der aufgrund eines Passagehindernisses im Kolon durch die Prostatavergrößerung bedingt ist.

Zudem besteht ein blutiger oder purulenter Ausfluß aus der Urethra. Fieber und Apathie können auftreten.

Bei der rektalen Untersuchung  bzw. Palpation des kaudalen Abdomens ist Schmerzhaftigkeit feststellbar.

Bei chronischer Prostatitis oder benigner Hyperplasie kann der Hund klinisch unauffällig sein.

Diagnose

Anhand der Anamnese– rezidivierende Harnwegsinfektionen mit Strangurie, Hämaturie, Dysurie – und der Ergebnisse der rektalen Untersuchung [strong] kann eine vergrößerte oder schmerzhafte Prostata festgestellt werden. Bei kastrierten Rüden mit einer normal großen bis vergrößerten Prostata in physiologischer Lage ist eine Prostataneoplasie eine wichtige Differentialdiagnose.

Röntgenaufnahmen können Informationen über die Größe der Prostata oder eine mögliche Kalzifizierung infolge einer neoplastischen Veränderung liefern. Auf sublumbale Lymphadenopathien oder Metastasen in den Lendenwirbeln muß geachtet werden.

Die Sonographie ist die bessere diagnostische Methode zur Untersuchung der Prostata. Sie liefert weitere Informationen zur Homogenität der Prostata (Zysten, Abszesse, hypoechogene Bereiche).

Zytologie und Kultur des Prostatasekrets

Die beste Methode ist die (invasive) Aspiration unter Ultraschallkontrolle. Ein Nachteil ist, dass bei Aspiration eines Abszesses Bakterien in die Peritonealhöhle gestreut werden können und dadurch zu Peritonitis und lebensbedrohlicher Septikämie führen können.

Die Gewinnung von Sekret nach Prostatamassage ist immer durch Harn verunreinigt und bei akuter Prostatitis aufgrund der Schmerzen nicht durchführbar.

Therapie

Prostatahyperplasie

Verursacht diese keine Symptome, so ist auch keine Behandlung erforderlich. Bei Beschwerden ist die Kastration die beste Lösung. Nach der Kastration bildet sich die Prostata innerhalb von 3 Monaten nach und nach zurück.

Prostataneoplasien

Es gibt keine wirksame Therapie bis dato (Prostataektomie, chemotherapeutische, hormonelle und Strahlentherapie) und die Prognose ist sehr schlecht.

Akute Prostatitis

Die auslösenden Bakterien sind die gleichen, die eine bakterielle Harnwegsinfektion verursachen. Es wird ein Antibiotikum nach Antibiogramm ausgewählt, das eine hohe Wirkstoffkonzentration im Prostatasekret und Gewebe erzielt.

Beiakuter Prostatitis erhält der Hund länger als 3 Wochen das entsprechende Antibiotikum. Vor Ende der Therapie und 3-5 Tage danach, wird eine bakterielle Kultur angelegt.

Chronische Prostatitis

Bei chronischer Prostatitis wird während der antibiotischen Behandlung alle 2-3 Wochen eine Kultur angelegt, bis das Ergebnis zweimal hintereinander negativ ist. Dies kann einige Monate Zeit in Anspruch nehmen. Danach wird der Patient nach 30-60 Tagen erneut untersucht. Ggf. werden permanent niedrig dosierte Antibiotika verabreicht, um sekundäre Harnwegsinfektionen zu verhindern.
Es kann schwer sein, eine chronische bakterielle Prostatitis zu eliminieren. Die Kastration ist bei der Behandlung der chronischen bakteriellen Prostatitis hilfreich.

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Harnapparat Hund Katze
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